1.1 Versöhnungstag – Yom Kippur

Yom Kippur ist der wichtigste Tag im jüdischen Kalender. Er beginnt am 10. Tag des 7. hebräischen Monats und somit zehn Tage nach „Yom Teruah“. An diesem Tag wurden die Sünden des gesamten Volkes Israel nicht nur gereinigt, sondern auch aus dem Lager verbannt. Die Hoffnung auf eine nationale Sühnung geschieht zu Yom Kippur. Israel stellte sich an diesem Tag in demütiger Haltung vor YHVH. Die Verantwortung zur Ausführung der Hauptzeremonie des Tages ruhte auf einem einzigen Mann, dem Hohepriester. Im 3. Buch Mose befindet sich der vollständige Bericht zum Tagesablauf des Versöhnungstags, auf welchen wir noch später eingehen.

1.2 Verständnis über die Natur der Sünde

Im Buch Levitikus ruft Gott Sein Volk dazu auf, sich Ihm zu nähern. Diese Annäherung war nur durch die Darbringung von speziellen Opfergaben möglich (3.Mo 1-7), dessen Reihenfolgen von YHVH festgelegt wurden. Der Grund dafür ist, dass der Mensch sündig ist und mit Gott, aus sich heraus, nicht in Kontakt kommen kann. Besondere Dinge mussten beachtet werden, wenn jemand sich auf dem Weg zum heiligen Gott befand.  Fünf spezielle Opfergaben werden dort erwähnt. Die gesamten vorgeschriebenen Opferdarbringungen greifen ineinander. In diesen von Gott vorgegebenen Verordnungen wird  auch das Sündopfer thematisiert. Die Vergebung der Sünden geschieht in allen Fällen nur durch das Vergießen von Blut (s. Heb. 10:22):

3.Mose 17:11: Denn das Leben des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühnung zu erwirken für eure Seelen. Denn das Blut ist es, das Sühnung erwirkt für die Seele.

Der Tod ist mit inbegriffen, wenn Gott die vom Menschen begangene Sünde vergibt. In der Torah diente ein rituell reines Opfertier als Ersatz für den Sünder. Dieses Tier nahm stellvertretend den Todesplatz des schuldigen Menschen ein. Gottes Gesetz fordert den Tod des Sünders (Hes. 18:4). Im Ersten Testament vergab YHVH Israels Sünden basierend auf dem Tieropfersystem (3.Mo. 4:20,26, 31,35). Das Tieropfersystem beweist demnach Gottes Gnade, der kein Gefallen am Tod des Ungerechten hat (Hes. 33:11). Dieses Ersatzsystem war demnach die einzige Möglichkeit, um dem Sünder zu vergeben und ihn am Leben zu lassen. Das Tieropfern als solches war ein Vorschatten auf Yeshuas Werk am Holz. Auf Grundlage des zukünftigen Werks des Opfertodes von Yeshua, bewirkten die Tieropfer zu der Zeit die sofortige Vergebung der Sünde. Es ist uns ersichtlich, dass ein Tier nicht nach der Weise des Menschen sündigt. Ebenfalls haben sich am Tag des ewigen Gerichts keine Tiere zu verantworten. Ihr Blut jedoch bewies das Sterben eines Lebewesens. Die Darbringung eines Schlachtopfers bewies im Grunde den Glauben des Sünders an den kommenden Erlöser, welcher Sein eigenes Blut vergießen wird.  Zu dem Zeitpunkt der Opfer waren aber alle Details zu Yeshua noch nicht bekannt. So konnte das Blut des Stieres oder des Schafes als legaler und notwendiger Ersatz dienen: bis hin zu der Zeit, in welcher das gesamte Opfersystem seine Erfüllung im Tod und der Auferstehung des Messias finden würde.

Weswegen gibt es denn den Tod überhaupt? Und wie besiegt Gott den Tod dann durch den Tod? Die Bibel berichtet, dass der Tod durch die Sünde in die Welt kam (Röm. 5:12). Sünde ist die Übertretung von Gottes Geboten (1. Joh 3:4). Aufgrund des sich Erhebens gegen Gottes Gesetz, trennte sich der Mensch vom Schöpfer. Wegen seiner Auflehnung gegen Gott wird er anhand des Gesetzes nun als ein Straftäter betrachtet. Verständlicherweise kann das selbige Gesetz (Torah), welches nun die Todesstrafe des Sünders fordert, den Menschen nicht erretten. Lediglich die Gnade Gottes rettet den Menschen. Diese Gnade wird dabei aber so angeboten, dass es mit Gottes Gesetz im Einklang bleibt. Die Forderung Leben für Leben, d.h. Tod des Schuldigen bleibt. Aus Liebe zu uns – und auf rechtskräftiger Grundlage basierend – opferte sich Yeshua freiwillig für uns am römischen Pfahl.  Insbesondere starb Er dabei den Tod eines Verbrechers, ein Detail, welches uns nicht entgehen kann. Das römische Holz war ein Folterinstrument, auf welchem Kriminelle, als Abschreckungsmethode, öffentlich hingerichtet wurden. Dieser Verbrechertod ist der, den wir eigentlich verdienten. Messias nahm aber den Fluch, d.h. den Ausspruch der Todesstrafe des Gesetzes, auf sich. Mit unserer Annahme vom Opfer Yeshuas ist Gottes Gerechtigkeit in der Bestrafung der Sünde erfüllt, und aus Seiner Gnade vergibt Er uns für die getanen Sünden.  

So oft einem Menschen vergeben wird, muss er dennoch eines Tages einen physischen Tod sterben, außer er befindet sich bei Messias Wiederkunft auf der Erde. Auch der für ihn sühnende Priester ist ein sterblicher Mensch, und anschließend geht das Ganze wieder von vorne los: eine neue Generation kommt auf, neue Priester folgen den vorherigen, und erneut werden Opfergaben gebracht.  An einem festgesetzten Tag jedoch soll für sämtliche Opfer in Israel ein für alle Mal ein Ende gemacht werden. Für jede einzelne Sünde wird gesühnt, alle Sünden werden aus dem Lager verbannt, und danach gäbe es keinen Grund mehr Opfer darzubringen. Dies geschieht zu Yom Kippur.

Das Wort „kippur“ ((כפור stammt aus der Wurzel „kappar“ und diese bedeutet „zu bedecken“. Yom Kippur ist sinngemäß der „Tag der Bedeckung “. STRONGS erklärt dieses Wort H3722, kappar, wie folgt:

Eine primitive Wurzel; abdecken (insbesondere mit Erdharz); im übertragenen Sinne zu sühnen oder dulden, zu beschwichtigen oder zu kündigen: - zu beschwichtigen, zu machen (an) Versöhnung, reinigen, zunichtemachen, zu vergeben, barmherzig, zu befrieden, in Einklang zu bringen

Die Wurzel wird in dem Bericht zu Noah genutzt, in welchem er die Arche mit „Pech“ (kappar) bedecken sollte. Die Übertragung zu Yom Kippur ist uns ersichtlich: Israels Sünde wird mit Blut bedeckt und somit vor YHVH ausgelöscht. Wegen des Blutes wird Gott an die Sünden nicht mehr gedenken. Nach den Verordnungen von Yom Kippur wird Israel anschließend als sündenfreies Volk vor Gott stehen können. Yom Kippur ist also der einzige Tag in der gesamten Schrift, an welchem dieser sündenlose Zustand des gesamten Volkes hergestellt wird. Nach diesem Tag gäbe es eigentlich keinen weiteren Grund mehr  Blut zur Sühnung einzusetzen. Dies läutet uns eine Nachricht ein, denn wenn Blut zur Sühnung  nicht mehr benötigt wird, ist Gottes Gerechtigkeit in Ewigkeit genüge getan. Der Tod existiert nur wegen der Sünde, und ist die Sünde abgeschafft, ist der Tod besiegt. Gottes Ringen, um uns von der Sünde zu erlösen, dient dem Zweck uns vor dem Tod zu bewahren! Ohne Sünde wären wir in keiner Todesgefahr und umgekehrt genauso. Sünde und Tod bilden so eine Art „Gesamtpaket“. Tod ist präsent der Sünde wegen, und wegen der Sünde wird wiederum Blut zur Sühnung gebraucht. Dieser sonst ewige Kreislauf der Sünde und des Todes endet an Yom Kippur! Das Vergießen des gerechten Blutes durchbricht diesen Kreislauf und schafft den Ausgleich, in dem ewige Vergebung und Tilgung der Sünde Eins werden. Da kein Mensch dies erfüllt, wurde Gottes Sohn selbst zum Mensch für uns und brachte sich als Ersatz für uns dar!

2.1 Adam und der Beginn der Sünde

Sünde (und damit der Tod) begann natürlich im Garten Eden. Dort wurde Adam von YHVH gewarnt, dass er an dem Tag, an welchem er von der verbotenen Frucht äße, sterben würde (1. Mo 2:17). Als Adam dies dennoch tat, wurde nun der Baum des Lebens mit folgender Erklärung durch Gott streng bewacht:

3.Mose 3:22: Und YHVH Elohim sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, indem er erkennt, was gut und böse ist; nun aber — dass er nur nicht seine Hand ausstrecke und auch vom Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe!

Durch die Sünde war Adam hier bereits in einem gefallenen Zustand. YHVH begehrte es aber in überschwänglicher Gnade, den Adam von der Sünde zu erlösen. Dies ist dabei der erste Schritt in der Errettung. Wenn Adam wieder sündenfrei wird, wird der Tod ebenfalls verbannt und er wäre mit seinem Schöpfer wieder in Ewigkeit vereint. Dieses eigentliche Ziel der Erlösung geschieht erst zum Schluss. Streckt sich Adam aber nun in einem noch sündhaften Zustand aus, um nun von dem Baum des Lebens zu essen, würde er ewiglich in der Sünde leben! Dies galt es schnell zu verhindern, und so wurde der Weg zum Baum des Lebens versperrt. Obgleich dem Adam die frohe Botschaft der Erlösung bereits zuteilwurde, muss er nun für eine gewisse Zeit auf diese Wiedervereinigung warten. Der Erlösungsprozess wird für Adam auch inmitten von Härte und Prüfungen geschehen.

Für Israel wird dieses langersehnte Ereignis, die ewige Trennung von der Sünde und somit vom Tod, an Yom Kippur geschehen. Das von Gott berufene Volk ist, wie schon lang erhofft, nun endlich sündenfrei vor seinem Schöpfer. Dabei ist dieser Hintergrund nicht losgelöst von dem, was Adam zugesprochen wurde. Adam repräsentiert schlicht und einfach uns: den gefallenen Menschen, welcher dringend die Erlösung von seinem Schöpfer benötigt. Kollektiv in Israel – welches das gesamte erlöste Volk Gottes darstellt – sehen wir die Erfüllung der Verheißung, welche an Adam gegeben wurde. Adam ist der gefallene Mensch und Israel bildet in der Summe mehrere „Adams“. In diesem Volk hat jeder einzelne Gottes Erlösung für sich angenommen und steht für die Wiedervereinigung mit YHVH bereit.

An dem Tag, an welchem Adam sündigte, wird er für seine Handlung persönlich zur Verantwortung gezogen. Es gab aber eine Kreatur, die ihn zu dieser Sünde brachte. Dies war die Schlange – oder der Teufel – über welche an diesem Tag das Gericht ausgesprochen wurde:

3.Mose 3:14: Da sprach YHVH Elohim zur Schlange: Weil du dies getan hast, so sollst du verflucht sein mehr als alles Vieh und mehr als alle Tiere des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Staub sollst du fressen dein Leben lang!
15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen

Dies ist die erste Bibelstelle, aus welcher wir die frohe Erlösungsbotschaft vernehmen. Aus dem
Versprechen an die Frau geht hervor, dass Einer kommen wird, der dem Kontrahenten durch dessen
Zerstörung endgültig das Handwerk legen wird. Das Wort für „Same“ ist im Original Einzahl männlich: „zerach“. Dies schließt den Kreis zu unserer Erlösung. Hieraus geht hervor, dass Gott uns durch die Blutsühnung Seines Sohnes zu Ihm wieder vereinen wird. Dies ist die zentrale Botschaft der Bibel. Mit dieser Verheißung der Erlösung geht aber auch die vollständige Zerstörung des Erzfeindes mit einher, welcher die Quelle der Sünde überhaupt war. Dass dieser Sieg über den Feind mit der vollständigen Erlösung des Volkes Gottes verbunden ist, erscheint uns nun logisch. Aus der Beschreibung zu Yom Kippur aus dem Buch Levitikus geht es aber vorerst nicht besonders deutlich hervor, dass der Teufel dort bereits physisch vernichtet wurde. Dies wird in späterer Zukunft geschehen.

2.2 Der Weg der Erlösung und Untergang des Feindes

Weder bringt uns der Schöpfungsbericht sofort zu Yom Kippur, noch ist hier das Volk Israel schon bereitet. Adams Erlösung (Adam repräsentiert „Mensch“) wird nun der systematische Plan des Allmächtigen sein und er entfaltet sich nach und nach. Als erstes ist Adam als Empfänger dieser Erlösung sichergestellt, in welcher von Adam eine freiwillige und gehorsame Teilnahme von Gott gefordert ist. Durch Adams Sünde war die gesamte, zukünftige Menschheit verloren, denn „alle sterben in Adam“ (1.Kor 15:22). Wenn jedoch Adam bzw. alle Menschen auf dieser Welt Gottes Erlösung annähmen, so würden sie auch errettet werden. Denn „so werden auch im Messias alle lebendig gemacht“. Yeshua als seinen persönlichen Erlöser in Anspruch genommen zu haben, bezeugt die Annahme dieses Heilsangebots:

Johannes 3:16: Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.

Messias Yeshua kam um sich aufzuopfern, als es laut des Vaters Plan die geeignete Zeit in der menschlichen Geschichten war, Seinen Sohn für unsere Sünden zu opfern. Diese Opferung sicherte die Grundlage der Erlösung. Die Verheißung hierzu gab es bereits im Garten Eden. Die Aussage „Same der Frau“ liefert diese Grundlage. Der menschliche Same wird aber nur durch den Mann produziert. Seit Adams Fall können aber nur noch sündhafte Nachkommen gezeugt werden, da alle Menschen in die Sünde hineingeboren werden (Ps. 51:7). Käme Yeshua nun über den Samen des Mannes zur Welt, wäre er nicht im Stande als Messias zu gelten! Ein Mensch hatte aber gesündigt, und somit muss ein Mensch (und nicht ein Tier) auch für die Sünde sterben. So kam Messias Yeshua als Mensch durch übernatürliche Zeugung, geboren von einer Frau und ohne menschlichen Samen, zur Welt.

Aber der Kopf der Schlange wird erst noch zertreten werden. Auch wurde zum Gerichtsurteil über die Schlange gesagt, dass „ewige Feindschaft zwischen ihrem Samen und dem Samen der Frau herrschen wird“ (1.Mo.3:15). Ab hier trennen sich die Linien. Der Same der Frau ist der menschgewordene Yeshua. Diejenigen, welche das Heilsangebot vom Messias annehmen, sind Sein geistiger Same und sie werden ewiglich gehasst werden von denen, welche denselben ablehnen und dafür ihre eigenen Wege suchen. Diese Sinnbilder werden sofort in dem Bericht von Kain und Abel dargestellt. Schnell lesen wir, dass obwohl Gottes Erlösung jedem offen steht, nicht jeder Mensch diese Erlösung  annimmt. Die Feindschaft, welche der Schlangensame hervorbringt, wird zu Gottes Zwecken aber nutzbar gemacht.

Manche fragen sich vielleicht, weswegen YHVH nicht sofort den Teufel, nach dessen Rebellion, an Ort
und Stelle vernichtete. Sehr wohl wäre der Allmächtige Gott in der Lage gewesen dies zu tun. Die Erlösung des Menschen vollzieht YHVH vorerst zu Seiner Ehre (5.Mo.9:5, Ps.23:3, Jes. 48:11). In diesem Plan verstehen wir aber die sofortige Zerstörung des Feindes als kontraproduktiv. An Adams gefallenem Zustand, das Hauptziel der Wiederherstellung, hätte sich hierdurch nichts geändert. Zum schwachen Vergleich nehmen wir einen sorgsamen Chirurgen, der seinen Patienten von einem bösartigen Fremdkörper erlösen möchte. Er ist mehr am Überleben des Menschen interessiert, als an der radikalen Zerstörung des schädlichen Tumors.

Dem Feind wird noch eine Zeit gewährt – bis der Erlösungsplan abgeschlossen ist. Die Schlange ist und bleibt verflucht und ihr Untergang steht fest, und Gott arbeitet bis zur Endzeit an Adams Erlösung. Folglich erschließt sich uns auch Gottes Weg, und wir lernen Ihm zu gehorchen. Nun wissen wir in aller Ewigkeit, welche verheerenden Konsequenzen es auf diesem Planeten hatte, Gott nicht zu gehorchen. Yom Kippur ist der Meilenstein in der Menschengeschichte, an welchem alles wieder hergestellt wird.

3.1 Die zwei Samen

Der Mensch entscheidet fortan, ob er erlöst werden möchte:

 5.Mose 30:19: Ich nehme heute Himmel und Erde gegen euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt; so erwähle nun das Leben, damit du lebst, du und dein Same,
20 indem du YHVH, deinen Elohim, liebst, seiner Stimme gehorchst und ihm anhängst; denn das ist dein Leben und bedeutet Verlängerung deiner Tage, die du zubringen darfst in dem Land, das YHVH deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, zu geben geschworen hat.

Kain tat dies nicht. Er ist der Vater der Kinder der Ungehorsamen. Seine Werke waren böse (1.Joh. 3:12), er hasste seinen Bruder, sein Herz war unbußfertig und so wie sein Vater die Schlange, wurde er auch verflucht. Seine Linie wird von der göttlichen Linie abgetrennt. Einige Merkmale können wir dabei von ihm lernen. Er beherrscht die Religion und brachte, wie auch sein Bruder Abel, ein Opfer dar. Wobei er ebenfalls von der Erlösungsgeschichte gehört haben muss, lehnte er diese für sich ab.
Die Bibel beschreibt, dass Abels Opfer gerechter als das von Kain war und auch den Grund:

Hebräer 11:6: Durch Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain; durch ihn erhielt er das Zeugnis, dass er gerecht sei, indem Gott über seine Gaben Zeugnis ablegte, und durch ihn redet er noch, obwohl er gestorben ist

Aus Kains Sicht mussten seine Opfergaben auf seine Weise vor Gott genügen. Seine Akzeptanz vor Gott soll auf seinen eigenen Grundlagen geschehen und nicht auf denen eines persönlichen Erlösers. Er tötet seinen Bruder, welcher aufgrund einer anderen Herzenshaltung vor Gott akzeptiert wurde. Auch nach Gottes Rufen änderte sich sein Herz nicht und er wird verflucht. Trotz des Fluches jedoch kommt der Name Gottes „El“ später in seiner Nachkommenschaft vor – er bleibt in jedem Fall religiös. Seine Generation beschäftigt sich mit den Vorzügen und Vergnügungen der Erde und versucht diese Welt zu einem annehmlichen Ort zu gestalten. Die Feindschaft zwischen den Samen drückte sich in dem tödlichen Übergriff Kains auf seinen Bruder Abel aus. Zukünftig ist dies ein anhaltendes Merkmal des Samens der Schlange. An Abels Stelle bekommt seine Mutter den Seth, „Ersatz“ und der Ruf nach dem Namen YHVHs beginnt.

4.1 Die Unmöglichkeit der Selbsterrettung

Die Knechtschaft unter der Sünde ist dadurch verstärkt, dass der Mensch in dem gefallenen Zustand die Sünde tun will. Der in der Sünde gefangene Mensch kann daher Gott aus sich heraus nicht aufsuchen (Ps. 14:2-3, 53:2-3, Joh. 6:44). Adam (wir) muss entsprechend auf allen Ebenen erlöst werden. Gottes Gnade bleibt dabei mit Seiner Gerechtigkeit im Einklang. Über die Notwendigkeit des würdigen und bereitwilligen Ersatzes sprachen wir bereits. Dies gleicht die vom Gesetz verlangte Todesstrafe für die begangenen Sünden aus. Hiernach kann dann von einer Vergebung des freigekommen Sünders die Rede sein. Derjenige, dem vergeben wurde, benötigt nun, für ein Leben nach der Freisprechung, als erstes einen Sinneswandel, um die selbigen Sünden nicht mehr tun zu wollen. Erlangt er dieses, benötigt er folglich Richtlinien, wie vor Gott wirklich zu wandeln ist. Hierzu verhilft ihm Gottes Gesetz (Torah).

Seine Erlösung ist dann an dem Tag abgeschlossen, wo er vor Gott steht und alle Sünden von ihm entfernt werden. Ist dieser Zustand wieder erreicht, wie es einst bei Adam war, steht unserer Verherrlichung ins ewige Leben nichts mehr im Wege. Dies wird uns zu Yom Kippur versprochen, der Tag der Versöhnung oder Bedeckung! Denken wir auch an den Todesstoß, welcher der Schlange noch vorbehalten ist. Als Israel nach dem Auszug aus Ägypten sicher das Schilfmeer überquerte, starb der Pharao und seine Rotte am Boden des Meeres. Pharao ist hier ein Sinnbild für den Satan, der in die Tiefe gestürzt wurde um nie wieder aufkommen zu können. Endgültig findet dieser Vorschatten seine Erfüllung am Ende der Zeit. Preisen wir Yeshua, denn ER ist es, der für uns diese teure Erlösung errungen hat.

5.1 Yom Kippur – der Ablauf

Kommen wir nun zum Tag des Yom Kippur. Ein Verständnis über die Stiftshütte wäre hier von Vorteil (siehe unsere Videoserie „Die Stiftshütte“).

3.Mose 16:1: Und YHVH redete zu Mose nach dem Tod der beiden Söhne Aarons, als sie vor YHVH traten und daraufhin starben.
2 Und YHVH sprach zu Mose: Sage deinem Bruder Aaron, dass er nicht zu allen Zeiten in das Heiligtum hineingehen soll, hinter den Vorhang, vor den Sühnedeckel, der auf der Lade ist, damit er nicht stirbt; denn ich will auf dem Sühnedeckel in einer Wolke erscheinen.

Yom Kippur ist nur einmal  im Jahr. Wenn ein Jahr die Menschheitsgeschichte darstellt, so gibt es einen einzigen Tag in dieser Zeit, an welchem der Hohepriester die ewige Sühnung für Gottes Volk, vor Gottes Thron, sichert. Aaron war Israels erster Hohepriester, und ihm wurde hier gezeigt, in welcher Weise er direkt vor Gott kommen sollte. Die Stiftshütte war ein großes Zelt und war das Urmodell des späteren Tempels. In der Wüste war dieses Zelt inmitten der Kinder Israels, welches auch gut für den mobilen Einsatz der Wüstenwanderung angepasst war. In diesem gab es einen Bereich, in welchem sich die Bundeslade befand (2.Mo. 25-27). Dieser Bereich war besonders abgetrennt. Über der Bundeslade und auf dem Deckel ruhte die Herrlichkeit Gottes: YHVH war
persönlich inmitten des Volkes anwesend. Hier konnte keiner rein.

3 Auf diese Weise soll Aaron in das Heiligtum hineingehen: mit einem jungen Stier als Sündopfer und mit einem Widder als Brandopfer;

In diesem Szenario ist Aaron ein Vorschatten auf den großen Hohepriester Yeshua. Durch Yeshua
wird eines Tages der tatsächliche Tag von Yom Kippur in allen Aspekten noch erfüllt werden. Dennoch ging Aaron zu dieser Ausführung tatsächlich hinter den Vorhang und vor Gott. Zu dem Ort also, wo wahrhaftig die Anwesenheit YHVHs inmitten Israels war. Es handelt sich hier um eine reelle Nachstellung des noch kommenden großen Tages, die in den Details des Vorbilds ausgeführt wurden. Während Aaron zwar diesen Typus darstellt, kann er in Wirklichkeit nicht die Person von Yeshua einnehmen. Aaron hat selbst, wie jeder andere Mensch, auch die sündhafte Natur inne. Daher beginnt Aaron den Tag als erstes mit einem Opfer für sich selbst und sein Haus, um vorerst für die eigenen Sünden Sühnung zu erlangen (Hebr. 5:3, 7:27).

4 und er soll den heiligen leinenen Leibrock anziehen und soll ein leinenes Unterkleid an seinem Fleisch haben und sich mit einem leinenen Gürtel gürten und einen leinenen Kopfbund umbinden, denn das sind die heiligen Kleider; und er soll sein Fleisch im Wasser baden und sie anziehen.

Dieses Detail lässt uns verstehen, dass Aaron an diesem wichtigen Tag nur schlichte, weiße Leinenkleider anhatte. Für gewöhnlich trug er das hohepriesterliche Gewand, welches durch Zierde und Besonderheit auffiel (2.Mo. 28:2). An diesem Tag sollte er aber seine üblichen Gewänder für die Schlichteren eintauschen. Er repräsentiert hier natürlich Yeshua, welcher Seine ursprüngliche Herrlichkeit, die Er bei Gott hatte, ablegte (Joh. 17:5). Er kam auf diese Erde um als Mensch für unsere Sünde zu sühnen. Die reinen, weißen Kleider deuten darauf hin, dass Yeshua trotz Seiner abgelegten Herrlichkeit vollkommen rein und heilig ist.

5 Dann soll er von der Gemeinde der Kinder Israels zwei Ziegenböcke nehmen als Sündopfer und einen Widder als Brandopfer.

Es handelte sich um zwei identische Ziegenböcke, auf die wir später zu sprechen kommen.

6 Und Aaron soll den Jungstier als Sündopfer für sich selbst herzubringen und Sühnung erwirken für sich und sein Haus.
7 Danach soll er die beiden Böcke nehmen und sie vor YHVH stellen, an den Eingang der Stiftshütte. 8 Und Aaron soll Lose werfen über die beiden Böcke, ein Los »Für YHVH« und ein Los »Für die Verwendung als Sündenbock«.

Das Wort hier für „Sündenbock“, ist das hebräische Wort „Azazel“ (עזאזל). Dieses Wort wird heute oft vielfältig unter einer verruchten Bedeutung pervertiert, in dem manche in diesem Wort einen Dämon oder ähnliches sehen wollen. Dies ist nicht der Fall. Die Wurzel kommt im hebräischen zwar nicht oft vor, es beschreibt aber die komplette Verbannung. Azazel bedeutet vereinfacht die „Ziege der Verbannung“. Warum dieser Teil notwendig ist, wird uns in Kürze erklärt.

9 Und Aaron soll den Bock herzubringen, auf den das Los »Für YHVH « fiel, und ihn als Sündopfer opfern.
10 Aber den Bock, auf den das Los »Für die Verwendung als Sündenbock« fiel, soll er lebendig
vor YHVH stellen, um über ihm die Sühnung zu erwirken und ihn als Sündenbock in die Wüste fortzuschicken.

Die zwei Ziegen verkörpern für sich genommen jede, was Yeshua eigenständig in Einem erfüllt. Zum einen ist Blut für die Sühnung nötig (Hebr. 10:22); diesen Teil wird eine der zwei Ziegen erfüllen. Zum anderen erinnern wir uns daran, dass Gott auch noch auf die völlige Verbannung der Sünde abzielt. Der eine Bock, auf welchen das Los zum Sterben fiel,  wird geschächtet und dient deswegen für die nötige Blutsühnung. Wir sehen sofort die Parallele zu Yeshua. Als Er von Pilatus zu Herodes und zurück geschickt wurde, bezeugte der römische Präfekt, „dass er in Yeshua keine Schuld fand“ (Luk. 23:4, Joh.19:6). Pilatus bietet der Menge dann die Wahl zwischen zwei Männern, worauf einer von ihnen freikommt; während der andere sterben wird. Die Menge wählte die Freilassung von Barabbas und war auf den Tod des Messias erpicht. Yeshua war unschuldig und rein, sollte aber dennoch sterben.

11 Und Aaron bringe den Jungstier des Sündopfers herzu, das für ihn selbst bestimmt ist, und erwirke Sühnung für sich und sein Haus; und er schächte den Jungstier des Sündopfers, das für ihn selbst bestimmt ist.

Sind die zwei Ziegen sichergestellt, geht es vorerst zur Sühnung Aarons.

12 Danach nehme er die Pfanne voll Feuerkohlen von dem Altar, der vor YHVH steht, und seine beiden Hände voll wohlriechenden zerstoßenen Räucherwerks und bringe es hinein hinter den Vorhang;
13 und er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor YHVH, damit die Wolke des Räucherwerks den Sühnedeckel verhüllt, der auf dem Zeugnis ist, und er nicht stirbt.
14 Er soll auch von dem Blut des Jungstieres nehmen und es mit seinem Finger gegen den Sühnedeckel sprengen, nach Osten zu. Siebenmal soll er so vor dem Sühnedeckel mit seinem Finger von dem Blut sprengen.

Bis hierhin ging es vorrangig um Aarons eigene Reinigung. Zu diesem Zweck musste er am Yom Kippur ebenfalls hinter den Vorhang gehen, was sonst nicht erlaubt war. Als Vertreter des Volkes muss seine eigene Beziehung zu Gott vollendet sein, ehe er für andere eintreten kann. In der obigen Beschreibung sehen wir, dass dies sowohl für Aaron, wie auch für jeden anderen, nur durch Sühnopfer möglich ist. Als Hohepriester wird ihm jedoch mehr auferlegt, und seine Verwendung des Sündopfers deckt sich mit dem, wie es üblicherweise von dem Hohepriester verlangt wurde (3.Mo. 4:3-7).

15 Danach soll er den Bock des Sündopfers, das für das Volk bestimmt ist, schächten und sein Blut hineinbringen hinter den Vorhang, und er soll mit dessen Blut tun, wie er mit dem Blut des Jungstiers getan hat, und er soll es auf den Sühnedeckel und vor den Sühnedeckel sprengen.

Mit dem Blut, mit welchem für das Volk gesühnt werden soll, wird am Yom Kippur ähnlich verfahren wie mit dem Opfer des Hohepriesters. An diesem Tag wird für jede Sünde des Volkes gesühnt – alles kommt direkt vor YHVH. Das Räucherwerk (v.12) bietet dem Aaron Schutz. Denn trotz der für sich selbst vollbrachten Sühnung, ist Aaron dennoch ein irdischer Mensch und er kann somit nicht in direkten Kontakt mit der Herrlichkeit des Allmächtigen kommen. Das Blut kommt auf und vor den Deckel der Bundeslade, welche sinnbildlich in der Stiftshütte Gottes Thron darstellte. Der Sühnedeckel hat im hebräischen die gleiche Wurzel wie das Wort „Kippur“ und heißt „Kapporet“. Im übertragenen Sinne bedeutet der Deckel der Bundeslade „dort, wo Sühnung erwirkt wird“. Es ist ein schönes und verheißungsvolles Bild für uns. Wenn wir vor den Thron von YHVH durch das Blut des Messias Yeshua  treten, erhalten wir von unserem Himmlischen Vater die ewige Sühnung.

16 So soll er Sühnung erwirken für das Heiligtum wegen der Unreinheiten der Kinder Israels und wegen ihrer Übertretungen und aller ihrer Sünden, und er soll dasselbe tun mit der Stiftshütte, die sich mitten unter ihren Unreinheiten befindet.
17 Und kein Mensch soll in der Stiftshütte sein, wenn er hineingeht, um die Sühnung zu erwirken im Heiligtum, bis er wieder hinausgeht. Und so soll er Sühnung erwirken für sich und sein Haus und die ganze Gemeinde Israels.

Wie erwähnt, besteht für Yeshua keine Notwendigkeit zur Sühnung, da er vollkommen sündenfrei ist. Nur Er kann direkt und unmittelbar vor den Thron des Vaters gehen. Daher ist Er auch der Einzige, welcher in der Lage ist, diese Sühnung für uns an Yom Kippur zu vollbringen. Genauso wie Aaron für diesen Dienst alleine in die Stiftshütte gehen musste, so gibt es auch niemanden, der Yeshua beim Erlösungswerk helfen konnte. Dieses Werk und dieser Sieg sind allein Seins.

18 Und er soll hinausgehen zu dem Altar, der vor YHVH steht, und für ihn Sühnung erwirken. Und er soll von dem Blut des Jungstieres und von dem Blut des Bockes nehmen und auf die Hörner des Altars tun, ringsum,
19 und er soll mit seinem Finger von dem Blut siebenmal darauf sprengen und ihn reinigen und heiligen von der Unreinheit der Kinder Israels.
20 Und wenn er die Sühnung vollendet hat für das Heiligtum und die Stiftshütte und den Altar, so soll er den lebendigen Bock herzubringen.

Die Geräte der Stiftshütte symbolisieren die heutigen Instrumente der täglichen Anbetung des Gläubigen vor Gott: Selbstopferung, Gebet, heiliger Wandel, usw. Am Yom Kippur muss all dieses gereinigt und geprüft sein, damit es von Gott als vollkommen gefunden werden kann.

21 Und Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebendigen Bockes stützen und über ihm alle Schuld der Kinder Israels und alle ihre Übertretungen in allen ihren Sünden bekennen, und er soll sie dem Bock auf den Kopf legen und ihn durch einen Mann, der bereitsteht, in die Wüste fortschicken.
22 Und der Bock soll alle ihre Schuld, die auf ihm liegt, in ein abgeschiedenes Land tragen; und er schicke den Bock in die Wüste.

Erst jetzt geht es zu dem weiteren Teil, welcher nun durch die zweite noch lebenden Ziege ausgerichtet wird. Die Tradition überliefert uns, dass sich die zwei Ziegen für Yom Kippur von der Gattung, dem Alter usw. sehr ähnlich waren. Demnach sollte der eine Ziegenbock nicht etwa großwüchsig und gesprenkelt sein, und der andere mittelgroß und pechschwarz. Eine gute und greifbare Erklärung, da die zwei Ziegen im Prinzip ein Werk darstellen. Durch die zweite Ziege sollte jetzt lebhaft das ausgespielt werden, was mit der Sünde passieren soll. Durch das Händeauflegen identifiziert sich ganz Israel mit dem Sündenbock und bekennt seine Sünden auf ihm, welcher anschließend diese ganzen Sünden für immer aus dem Lager wegträgt.

Ein weiterer Aspekt aus kirchlicher Geschichte zu Barabbas ist, dass dieser damals den Vornamen „Yeshua“ getragen haben soll. Dies ist interessant, da ja zwei sich ähnelnde Ziegen zu Yom Kippur verwendet wurden. Dies sind natürlich nur Sinnbilder, denn Barnabas war Schuld beladen und Yeshua ist rein und heilig. An dem Tag, an dem Messias Yeshua gekreuzigt wurde, kam dieser andere frei , obwohl er schuldbeladen war. Das Volk hatte Barabbas Freilassung gewählt – und sich somit mit ihm identifiziert! Es ist selbstverständlich kein Zufall, dass die Evangelisten dieses Ereignis vorsichtig dokumentiert haben. Sie waren alle gründlich in der Torah unterrichtet und haben verstanden, dass jenes, was vom Ablauf und Typus her dort vor sich ging, im Wort Gottes schon vor Zeiten zu Yom Kippur beschrieben war. Die eigentliche Bezahlung durch das Blut geschah durch die vorherige Ziege, auf welche das Los für YHVH fiel. Es kann aber nicht die eine Ziege geopfert werden, und anschließend durch dieselbe die Sünden aus dem Lager leibhaftig forttragen werden. Yeshua, mit seinem Opfertod und Auferstehung, vereint aber diese beiden Aspekte in sich Selbst. Die zwei Ziegen stellen dar, was zur ewigen Bereinigung der Sünde geschehen muss.

23 Und Aaron soll in die Stiftshütte gehen und die leinenen Kleider ausziehen, die er anzog, als er in das Heiligtum ging, und soll sie dort lassen;
24 und er soll sein Fleisch im Wasser baden an heiliger Stätte und seine eigenen Kleider anziehen und hinausgehen und sein Brandopfer und das Brandopfer des Volkes opfern und Sühnung erwirken für sich und das Volk.

Sobald die Sühnung in der Stiftshütte vollbracht ist und die Sünden verbannt worden sind, zieht sich Aaron seine priesterliche Kleidung wieder an! Dies ist ein Vorschatten auf Yeshua, welcher zu Seiner göttlichen Herrlichkeit zurückkehrte, nachdem Er Sein sühnendes Werk auf Erden vollendete.

25 Und das Fett des Sündopfers soll er auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen.
26 Der aber, welcher den Bock als Sündenbock fortgesandt hat, soll seine Kleider waschen und seinen Leib im Wasser baden, und danach kann er in das Lager kommen.

Bei Aaron wurde nicht explizit erwähnt, dass er erst nach einer Waschung zurück ins Lager konnte. Hier ist die Waschung aber eine Bedingung für den Assistierenden, nach welcher dieser wieder unter das Volk durfte. Dies gibt uns zu verstehen, dass keine Unreinheit an Aaron persönlich haften blieb. Obwohl Yeshua die Sünden für uns auf Sich trug, tat er selber bis zum Schluss keine Sünde und blieb rein.

27 Den Jungstier des Sündopfers aber und den Bock des Sündopfers, deren Blut zur Sühnung in das Heiligtum gebracht worden ist, soll man hinaus vor das Lager schaffen und mit Feuer verbrennen, ihre Haut und ihr Fleisch und ihren Unrat.

Die Leiber der Tiere, welche als Sündopfer dargebracht werden, mussten immer außerhalb des Lagers gebracht werden und dort verbrannt werden (3.Mo. 4:11, 6:30, 9:11, Hebr. 13:11). Nichts von der Sünde sollte im Lager verbleiben. Yeshuas Opfertod außerhalb des Stadttores zeigt, dass Er unser Sündopfer ist (Joh. 19:17).

28 Und der sie verbrannt hat, wasche seine Kleider und bade seinen Leib im Wasser, und danach kann er in das Lager kommen.
29 Und das soll eine ewig gültige Ordnung für euch sein: Am zehnten Tag des siebten Monats sollt ihr eure Seelen demütigen und kein Werk tun, weder der Einheimische noch der Fremdling, der in eurer Mitte wohnt.
30 Denn an diesem Tag wird für euch Sühnung erwirkt, um euch zu reinigen; von allen euren Sünden sollt ihr gereinigt werden vor YHVH.
31 Darum soll es euch ein Sabbat der Ruhe sein, und ihr sollt eure Seelen demütigen; das soll eine ewige Ordnung sein.
32 Und die Sühnung soll ein Priester vollziehen, den man gesalbt und dessen Hand man gefüllt hat, damit er an Stelle seines Vaters als Priester dient; und er soll die leinenen Kleider anziehen, die heiligen Kleider,
33 und er soll Sühnung erwirken für das Allerheiligste und die Stiftshütte, und für den Altar soll er Sühnung tun; auch für die Priester und für die ganze Volksgemeinde soll er Sühnung erwirken.
34 Das soll euch eine ewige Ordnung sein, dass ihr für die Kinder Israels einmal im Jahr Sühnung erwirkt wegen aller ihrer Sünden! Und man machte es so, wie YHVH es Mose geboten hatte.

Der Abschluss der Passage beschreibt u.a. die Ordnung für das Volk an diesem Tag. Die Haltung des Volkes spiegelt hiernach Demut wieder, und es war ein Tag, der in hohen Ehren zu halten war. Auch das Arbeiten ist an diesem Tag gänzlich verboten. Sich zu demütigen wird im traditionellen Judentum mit einem  Ganztagsfasten verstanden. Ein Brauch der scheinbar so auch zu Zeiten der Apostel gehalten wurde (Apg. 27:9).

5.2 Versöhnung und Tilgung

In der zentralen Zeremonie zu Yom Kippur sehen wir das vollendete Werk von Yeshua. Auf Ihn deuten alle Opfergaben der Schrift – unsere Erlösung ist in Ihm nun vollkommen. Die Opferungen des Tages, zu Zeiten der Wüstenwanderung, sicherte Israel einen Neuanfang zu – frei von der Sünde. Wenn Israel nun tatsächlich ewiglich frei von der Sünde wurde, stellt sich die Frage, weswegen sie dennoch allesamt in der Wüste gestorben sind. Bekanntlich stirbt der Mensch nur Aufgrund der Sünde. Ist aber für diese Sünde bezahlt und die Vergebung nun geschehen, zusätzlich dass diese Sünde folglich hinwegtragen wurde und der Mensch nun sündlos ist: weswegen stirbt er weiterhin, nach dem jährlichen Yom Kippur? Die einzige Erklärung ist, dass Yom Kippur noch nicht stattgefunden hat. Die Sünde wird bis zum Ende andauern, solange der Mensch aus Fleisch und Blut besteht.

Dem Mensch ist nach der Annahme des Messias Yeshua für begangene Sünden vergeben. Auch bekommt er die Kraft des Geistes und die Weisung der Torah, fortan ein heiliges Leben zu führen. Dennoch ist er nicht perfekt, solange er sich weiterhin im fleischlichen Körper befindet. Keiner ist vollkommen, und jeder Gläubige wird noch am Ende der Weltzeit, für die völlige Reinigung, vor Yeshua stehen müssen. Dies geschieht zu Yom Kippur. Hierzu geschieht dann die ewige Reinigung, die Zerstörung des Bösen und das Abtun des Fleisches. Danach bekommen die Gerechten verherrlichte Leiber, in welchen nie wieder gesündigt werden kann. Dies ist Gottes Ziel. Der Autor des Hebräerbriefs liefert das Verständnis zu dem, was im Allgemeinen in der Stiftshütte und dem Tempeldienst stattfand:

Hebräer 9:9: Dieses ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit, in welcher Gaben und Opfer dargebracht werden, die, was das Gewissen anbelangt, den nicht vollkommen machen können, der den Gottesdienst verrichtet,
10 der nur aus Speisen und Getränken und verschiedenen Waschungen besteht und aus Verordnungen für das Fleisch, die bis zu der Zeit auferlegt sind, da eine bessere Ordnung eingeführt wird.

Alle Zeremonien sind bisher Schatten von dem gewesen, was noch kommen soll und dienten zu unserer Unterrichtung:

Hebräer 10:1: Denn weil das Gesetz nur einen Schatten der zukünftigen [Heils-]Güter hat, nicht die Gestalt der Dinge selbst, so kann es auch mit den gleichen alljährlichen Opfern, die man immer wieder darbringt, die Hinzutretenden niemals zur Vollendung bringen.
2 Hätte man sonst nicht aufgehört, Opfer darzubringen, wenn die, welche den Gottesdienst verrichten, einmal gereinigt, kein Bewusstsein von Sünden mehr gehabt hätten?
3 Statt dessen geschieht durch diese Opfer alle Jahre eine Erinnerung an die Sünden.
4 Denn unmöglich kann das Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegnehmen!

Bestimmen zu wollen, wann Yom Kippur genau passieren, wird ist viel zu spekulativ, aber wir wissen um die Dinge, die zur Versöhnung eintreten werden. Die Vernichtung des Feindes, des Teufels, wird nach Yom Kippur erwartet. Alle die Yeshua als Messias haben und im Buch des Lebens stehen, werden verwandelt in Unsterblichkeit, aber auch das Land, welches Israel zugesprochen wurde, wird wieder freikommen. Derzeit ist dieses Land das umstrittenste Grundstück der Welt. Die Bibel beschreibt, dass dieses Land Gott gehört und dass Er es den Kindern Israel als Erbe gegeben hat. Der rechtmäßige Besitzer ist aber natürlich YHVH, der Schöpfer von Himmel und Erde. (3.Mo.25:23).

Bevor das Erbe unter den 12 Stämmen Israels aufgeteilt wurde, gab es die entsprechenden Richtlinien zum Umgang damit. Das Land wurde innerhalb den Stämme, je nach Größe einer Familie, dann endgültig zugewiesen. Das Land sollte wirtschaftlich und ökonomisch genutzt werden. Aus agrarwirtschaftlicher Sicht musste das Land z.B. alle sieben Jahre ruhen. Im Jahr vor dem Siebten versprach Gott eine üppige Ernte, welche Israel während der Dauer der Ruhezeit erhalten wird. Nach Gottes Gesetzt und Regelung wäre es grundsätzlich unmöglich gewesen, dass ein Israelit verarmt (5.Mo. 15:4). Verarmung passiert oft dort, wo Gier, Ehrgeiz, Selbstüberschätzung oder Unterdrückung im Spiel sind. Diese Dinge sollen ja eigentlich nicht unter Gottes Volk vorkommen. Gottes Gesetz bleibt dabei praktisch und rechnet menschliche Fehler und Sünden mit ein, denn auch in Israel gibt es Treue und Untreue, sowie kluge und weniger kluge Geschäftsleute.

Als erstes galt es zu verstehen, dass das Land nicht verkauft werden konnte. Familienbesitz konnte nicht fremdübertragen werden. Ein reicher Mann aus dem Stamm Gad konnte alsdann kein zusätzliches Land aus dem Gebiet Asser auf ewig erwerben, nur weil seine Mittel es zuließen, oder weil der wollende Verkäufer verarmt war. Die Regelung, die hier unter anderem für einen Schuldenausgleich getroffen werden konnte, war das Verpachten. Zu einer bestimmten Zeit  musste der Pachtvertrag aber wieder annulliert werden. Ein Israelit, der für eine Zeit bei einem anderen zur Arbeit gezwungen war, um Verbindlichkeiten auszugleichen, kam ebenfalls nach einer bestimmten Zeit wieder frei. So spielte es nach der Torah keine wirkliche Rolle, wie schwer die Schuldlast war: es gab immer Aussicht auf Wiederherstellung. Dies geschah in jedem 50. Jahr, dem Erlassjahr.
Diese Regelung weist Parallelen zu der Sündenthematik auf. Getane Sünden werden durch Yeshuas Vergebung an Yom Kippur gereinigt und fallen nicht ins Gewicht. Es wurde angeschnitten, dass Verlust des Landes vermutlich aus sündhaftem Verhalten stammte. Ob aber nun Sünde oder Landesverlust: alle fünfzig Jahre wird beides an einem und demselben Tag für Israel getilgt. Dies wurde mit dem Anfang des Erlassjahres verwirklicht, denn das Jubeljahr konnte immer nur am Yom Kippur beginnen. Das Erlassjahr, welches Besitz und Freiheit wiederherstellt, beginnt am Tag von Yom Kippur, dem Tag, an dem die Sünden getilgt werden.

3.Mo.25:9: Da sollst du die Posaune blasen lassen durch euer ganzes Land am zehnten Tage des siebenten Monats, am Versöhnungstag.
10 Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt eine Freilassung ausrufen im Lande für alle, die darin wohnen; es soll ein Erlassjahr für euch sein. Da soll ein jeder bei euch wieder zu seiner Habe und zu seiner Sippe kommen.

Im zukünftigen noch kommenden 50. Jahr geht das Land wieder zum rechtmäßigen Besitzer zurück, welcher der allmächtige Gott persönlich ist. Gleichzeitig ist es aber auch der Tag, an welchem für Israel gesühnt wird. Es ist deutlich, dass sich dieses Ereignis noch nicht erfüllt hat. Das zukünftige Yom Kippur, welches Gottes Volk reinigt und es für die Verherrlichung vorbereitet, leitet gleichzeitig die Wiederherstellung des Landes Israel ein, wie es Vater Abraham aber versprochen wurde.

6.1 Das Ende des Zeitalters und Untergang des Feindes

Mit der Erfüllung aller Dinge wird auch das Urteil in Kraft treten, welches im Garten Eden über die Schlange ausgesprochen wurde. Als Quelle der Verführung und  Sünde gegen Gott wird der Erzfeind am Ende des menschlichen Zeitalters vertilgt. Über diese Ereignisse lesen wir im Endzeitbericht der Offenbarung. Es wurde bereits im ersten Testament an mehreren Stellen in Typen vorprophezeit, wie Gott sein Volk aus der Unterdrückung erlöst, um den Erzfeind dann anschließend auch zu vernichten. Zwei von solchen Typen werden an dieser Stelle, zusammengefasst aus dem Buch der Richter, mit eingebracht. In unserem ersten Bericht handelt es sich um Israels Unterdrückung unter der Hand von Jabin, dem König der Kanaaniter. Die kanaanitischen Völker waren Israel gegenüber feindlich gesonnen. Darüber hinaus repräsentiert dieses Volk aber auch Kämpfe, die der Gläubige noch heute im Fleisch hat. Mit diesen Völkern durfte Israel keinen Bund schließen; sogar der Bann lag auf ihnen. Weiter war es Israels Auftrag, diese Völker aus dem verheißenen Land zu vertilgen. Gottes Volk wurde hierin allerdings zunehmend gemächlich, so dass der Feind oft und schnell wieder die Oberhand bekam. In vielen Instanzen war dann die erneute Unterdrückung des Volkes schlimmer als die zuvor.

Der Fall von Jabin dem Kanaaniters ist einer solcher Fall. Dieser König war mächti,g und er bezwang Israel 20 Jahre lang. Zudem verfügte er über eine gewaltige Streitmacht (Ri. 4:3). Aus seiner Hand gab es ohne Weiteres kein Entrinnen. Israel schrie zu seinem Gott, und YHVH erweckt ihnen Retter zu ihrer Befreiung. Diese Verbündeten waren Barak (bedeutet: Blitz) und Deborah (Wort) die Prophetin, die Frau des Lapidoth (Feuerfackeln).

Israels Erlösung beginnt damit, dass Deborah nach Barack ruft (v.6). Deborah stellt das Wort Gottes dar, und ihr Ehemann ist ein Typus des Heiligen Geistes, durch welchen das Wort Gottes frei macht. Gottes Wort und Sein Geist sind voneinander unzertrennlich. Barak, der Blitz, repräsentiert Gottes Gericht. Wenn Gottes Kinder die Erkenntnis durch Seine Heilige Schrift erlangen, wird die Sünde entblößt und gerichtet. Hiernach hat diese keine Macht mehr und Gottes Volk kommt frei. Im Bericht kommt es dann zu einem großen Krieg. Die feindlichen Streitkräfte Jabins wurden durch den Heerführer Sisera  geleitet. Er ist in diesem Szenario ein Typus des Erzfeindes, welcher gegen Israel eine riesige Streitmacht führt. Die gesamte feindliche Schar kommt in dem Kampf um, aus welchem der Heeresführer entflieht. Er glaubt Zuflucht im Zelt einer Frau gefunden zu haben, die ihn aber in den Schlaf lockt. Anschließend durchbohrt sie ihm die Schläfe mit einem Pflock, mit welchem sein Kopf zerschmettert am Boden befestigt wurde. Auf diese Weise kommt Sisera endgültig um.

Die hantierende Frau hieß Jael und ihr Name bedeutet „Bergziege“. Alle genutzten Instrumente in der Geschichte werden aus dem Verständnis zu Yom Kippur deutlich. Das Zelt ist ein Sinnbild für den Tempel oder die Stiftshütte, in welchem die Opfergaben stattfinden. Im Tempel findet das von Gott vorgegebene Opferwerk statt, durch welchen der Mensch Sühnung erlangt. Mit Opferung für die Sünde erlangt Gottes Volk Freiheit und triumphiert über den Feind. Der Pflock, mit welchem der Feind zerstört wurde, deutet auf die Nägel, mit welchen Messias Yeshua ans Holz geheftet wurde. Die Nägel, welche den Messias durchbohrt haben, bewirken gleichzeitig die Befreiung vom Satan. Die durchbohrte Schläfe des Heerführers deutet auf den zerschmetterten  Kopf des Erzfeindes, den Teufel. Durch Messias‘ Opfertod erlangt der Bedrückte also den gänzlichen Sieg über den Feind. Die Anspielung auf eine Bergziege deutet auf die zweite „Azazel“ Ziege, welche die Sünden aus dem Lager Israels für immer fortträgt. Ist dies geschehen, endet in aller Ewigkeit das Wirken des Feindes.

Israels Erlösung durch den Richter Ehud bietet ein weiteres Beispiel. Schon sein Name lehnt sich an den Stamm Judah an, aus welchem Yeshua entsprungen ist. Zu Ehuds Amtszeit wurde Israel durch die Moabiter unterdrückt, welche Israel gegenüber größtenteils feindselig waren. Ihr König hatte den Namen Eglon, was „Bullenkalb“ bedeutet. Es erinnert an Israels Götzendienst am Berg Sinai, in der Anbetung des Goldenen Kalbs. Eglon ist hier ein Typus für den Erzfeind des Volkes Gottes. Er war ein sehr fetter Mann, der das Leben der fleischlichen Gelüste versinnbildlicht, in welche Israel so verstrickt war. Die Unterdrückung von achtzehn Jahren deuten auf die lange und schwere Zeit, die Israel in der Befriedigung des fleischlichen Lebens zubrachte und dadurch geistig stagnierte. Ehud, als Gottes Erretter, schafft es eine Audienz beim König Eglon zu bekommen. Dass Ehud linkshändig war, zeigt, dass er außergewöhnlich ist. So ist auch Messias‘ Werk einzeitigartig.

An sein rechtes Bein war ein zweischneidiges Schwert geschnallt, welches Bildersprache für das Wort Gottes ist (Heb. 4:12, Eph. 6:17). Hiermit wird deutlich, dass Ehud nur Kraft durch das Wandeln im Wort Gottes  erlangt. Bevor der moabitische König nun hingerichtet wurde, verlangt Ehud mit ihm im Raum alleine zu sein. Dies erinnert daran, dass Aaron, während er zu Yom Kippur im Zelt die Sühnung erwirkte, alleine im Heiligtum sein sollte. Ebenso bewirkte Yeshua die Sühnung eigenhändig, ohne fremde Hilfe. Ehud verkündet dem feindlichen König, „dass er ein Wort von Gott“ für ihn hatte, und nur das Wort Gottes kann die Macht der Sünde und des Fleisches besiegen. Anschließend sticht Ehud zu und Eglon stirbt. Fett und Blut strömen aus ihm und malen uns die vollständige Vernichtung des Widersachers deutlich vor Augen. Aus solchen Details erkennen wir die Andeutungen auf den Tag der Reinigung und des Jüngsten Gerichts.

7.1 Vorbereitung auf Yom Kippur

Gottes Versprechen ist Seinem Volk gewiss. Ewige Freiheit von der Sünde und die Verherrlichung ins ewige Leben, werden noch in Zukunft am Versöhnungstag erfüllt. Diese Verheißung erfüllt uns mit Freude und Hoffnung! Gleichzeitig werden Vorkehrungen von Seiten des Volkes erwartet, damit es am Tag der Sühnung als würdig gefunden wird. Wir könnten auch die endgültige Reinigung als den Abschluss von  allen sonstigen Opfergaben betrachten. In der Torah lehrt YHVH sein Volk, wie es in Heiligkeit zu wandeln hat. Durch das Priestertum gab Gott Israel Möglichkeiten der Wieder-herstellung, wenn sie das Ziel verfehlten. Solche Übertretungen wurden  der Unkenntnis oder der Schwäche des Einzelnen zugerechnet. Für die absichtliche Gesetzesübertretung aber, dem Sündigen mit der erhobenen Hand, war keine Opferdarbringung der Vergebung vorgesehen. Wer hierin schuldig gefunden wurde, musste sterben (4.Mo.15:30-31,Heb.10:26).

Israel, welches mit YHVH in einem Bund steht, sollte das Jahr über dafür Sorge tragen, die Beziehung zum Schöpfer aufrecht zu erhalten. So gab es das Sündopfer für individuelle Sünden, Opfer um von der Berührung mit dem Tod zu reinigen (4.Mo.19). Zu diesen gab es darüber hinaus: Anordnungen für die Reinigung sämtlicher Kriegsbeute (4.Mo.31:23), Bestimmungen für den Umgang mit Aussatz am Körper (3.Mo.13-14), das Verbot den Unreinen ins Lager kommen zu lassen (4.Mo.5:2-3), notwendige Merkmale für den priesterlichen Dienst (3.Mo.21), usw. Anspruch auf die vollendete Reinigung bestand lediglich für denjenigen, welchen Gottes Ordnungen täglich begleiteten. Anspruch durch eine nur formale Zugehörigkeit zu einem Stamm, oder Vorzüge wegen einer bestimmten Blutlinie, waren nicht gegeben.

Der Kampf gegen die Sünde geschieht täglich, indem der Gläubige darin bemüht ist, seine Wege nach Gottes Wort auszurichten (Ps. 119:105). Gottes Gnade bürgt für den sicheren Durchgang der Prüfungen dieser Weltzeit. Sie wurde jedoch nicht zur Erlaubnis gegeben, in der Sünde zu leben. Manche wähnen sich in der trügerischen Sicherheit, dass von ihnen am Tag des Gerichts nichts weiter abverlangt wird, da sie in vergangener Zeit mal ein „Glaubensbekenntnis“ abgelegt haben. Es gibt nicht wenige Menschen, welche diese heute oft verbreitete Lehre angenommen haben. Das Verständnis ein unbekümmertes Leben in Ausschweifung führen zu können, in der Hoffnung am Yom Kippur die Reinigung zu erhalten, spiegelt nicht die Gnade wieder, welche bei der Sündenvergebung erfahren wird. Eine solche Haltung führt bei fehlender Bußfertigkeit in die Verdammnis. Behutsam dürfen wir Messias Yeshuas Worte betrachten, dass wenige den Weg ins ewige Leben finden (Math. 7:14), und dass die Pforte des Weges eng und schmal ist. Apostel Paulus ermahnt, dass Unzüchtige und Gesetzlose das Reich Gottes nicht erben werden. Im Buch der Offenbarung steht geschrieben, dass die Befleckten nicht in die Heilige Stadt hinein können.

Dies soll mit Nachdruck erwähnt werden. Denn in diesen letzten Tagen verschlimmert sich nicht nur die Geisteshaltung der Welt, sondern zunehmend sinkt auch in bekennenden Glaubenskreisen die Bereitwilligkeit, einen heiligen Wandel vor Gott anzustreben. Das Unverständnis über das Gebot der Sabbathaltung, der Festtage oder die Speisegebote sind nicht immer nur die Kernpunkte. Die Geisteshaltung, dass Gott die Sünde nicht mehr so streng wie einst sieht, herrscht in vielen Fällen schon längst weit vor. Oft wird dies mit der Begründung wegerklärt, dass die uns geschenkte Gnade aus dem Opfertod des Messias Yeshua davor schützt, je verlorengehen zu können. Gegen solche Lebensanschauungen warnt uns die Bibel eindringlich. (Jud. 1:4). Gesetzlosigkeit ist für die Endzeit vorhergesagt (2.Tim.3:1-7).
Glaubensgemeinschaften leben vermehrt einen moralischen Standard vor, der dem Weltlauf angepasst ist – und  manchmal sogar schlimmer als diese. Gott macht uns sensibel dafür, dass die Sünde den Tod brachte und es auch weiterhin tut. Alles was in unserer Macht liegt, ist durch die Kraft des Heiligen Geistes in Bewegung zu setzen, um nach Gottes Maßstäben zu wandeln. Die Bereitwilligkeit zur Trennung von der Sünde geht demnach mit dessen Vergebung einher (Spr. 28:13). Dies ist die Gesinnung, die vorgefunden wird, ehe dann die Reinigung zu Yom Kippur geschieht.

8.1 Der Zerrissene Vorhang

Als Yeshua Sein Leben am Holz ließ, zerriss der Vorhang im Tempel.  

Matthäus 27:50: Yeshua aber schrie nochmals mit lauter Stimme und gab den Geist auf.
51 Und siehe, der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten entzwei, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich.

Der Vorhang, der hier gemeint ist, ist der, welcher das Heilige (dort wo der Räucheraltar, die Schaubrote und die Leuchter waren)vom Allerheiligsten trennte (dort wo die Bundeslade war). In dem 2. Tempel, welcher noch zu Zeiten der Römer und Yeshua  stand, war keine Bundeslade mehr im Allerheiligsten. Über die vielen Jahre der Zerstreuung, nach der Zerstörung des ersten Tempels, verlor Israel die Obhut darüber. Ein riesiger Fels war das Einzige, was im Inneren des Allerheiligsten war. Dennoch hatte Gott vorprophezeit, dass die Herrlichkeit des zweiten Tempels größer als die des ersten sein würde. Dies hat sich nicht durch prunkvollere Bauten als zuvor erfüllt, sondern weil  Yeshua – der Gott der Schöpfung – leibhaftig in diesem Tempel war. Es war Seine Herrlichkeit gewesen, die zuvor inmitten der Kinder Israels war (1.Kor. 10:4).

Der zerrissene Vorhang weist allerdings nicht, wie viele es meinen, auf das Ende des Schlachtopfers und des Tempeldienstes hin. Er läutet vielmehr das Zeitalter einer neuen Priesterordnung ein, der von Melchizedek (Ps. 110, Heb.7). Dieser wird in Ewigkeit unser Messias Yeshua als König und Hohepriester sein. Das levitische System wird später im 1000-jährigen Reich noch unter Yeshua im Tempel dienen. Das Prinzip, dass Schlachtopfer weiterhin gebraucht werden, um vor Gott zu treten, dauert noch bis ans Ende der Weltzeit an. Nur ist der Schwerpunkt nicht mehr auf das Blut von Kälbern und Böcken gesetzt. Vielmehr hat jeder einzelne Gläubige jetzt die Freimütigkeit, durch die Kraft des Blutes von Yeshua, vor Gott zu kommen in der Gewissheit, dass er angenommen wird. Dieses wird unter anderem in dem zerrissenen Vorhang repräsentiert.

8.2 Das Millennium, der 3. Tempel und der Abschluss

Der Tempel ist der Ort, in dem Sühneopfer stattfinden. Opfergaben, welche notwendig waren um
dem  Sünder zu vergeben, haben bekanntlich etwas mit dem Tod zu tun. Über diese Dinge wurde bereits geschrieben. Im Millennium wird es zur Regentschaft Yeshuas jedoch einen 3. Tempel geben, in welchem reguläre Tieropfer wieder geopfert werden. Diese Begebenheit sollte uns nicht alarmieren, als würden die Opfergaben das große Werk von Yeshua schmälern. Weder wird Yeshuas Werk geschmälert, noch wird es „ersetzt“; die Opfergaben blicken während den 1000 Jahren auf Yeshuas Opfertod zurück, gleichwie die selbigen Opfergaben in Vorzeiten auf Yeshua
vorausschauten. Hieraus ist ersichtlich, dass Yom Kippur im Millennium noch nicht stattfand. Als Johannes das Heilige Jerusalem vom Himmel herabkommen sieht, dokumentiert er die Tatsache, dass in ihr kein Tempel mehr zu finden war:

Offenbarung 21:22: Und einen Tempel sah ich nicht in ihr; denn YHVH, Gott der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm.

Yom Kippur fand hier schon bereits statt. Hier werden zum ersten Mal seit Adam und der gefallenen Menschengeschichte fortan keine Opfergaben mehr verlangt. Dieser Zustand wurde erreicht, weil  der Erzfeind, der Teufel, bereits in den Feuersee geworfen wurde.

Offenbarung 20:10: Und der Teufel, der sie verführt hatte, wurde in den Feuer und Schwefelsee geworfen, wo das Tier ist und der falsche Prophet, und sie werden gepeinigt werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
14 Und der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod. 15 Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens eingeschrieben gefunden wurde, so wurde er in den Feuersee geworfen.

Der Teufel  und seine Anhänger werden gerichtet und gehen in die ewige Bestrafung. Dies ist die Erfüllung der Prophetie aus dem Garten Eden. Der Same der Frau hat gesiegt und nun steht die Verherrlichung der Kinder Gottes bevor. Um diesen Zeitpunkt herum verstehen wir die Erfüllung von Yom Kippur. Hiernach erwarten wir einen neuen Himmel und eine neue Erde. Die Ewigkeit beginnt!

Offenbarung 22:1: Und er zeigte mir einen reinen Strom vom Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der ausging vom Thron Gottes und des Lammes.
2 In der Mitte zwischen ihrer Straße und dem Strom, von dieser und von jener Seite aus, [war] der Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt, jeweils eine; und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker.
3 Und es wird keinen Fluch mehr geben; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein, und seine Knechte werden ihm dienen;
4 und sie werden sein Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen sein.
5 Und es wird dort keine Nacht mehr geben, und sie bedürfen nicht eines Leuchters, noch des Lichtes der Sonne, denn Gott, der Herr, erleuchtet sie; und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lieber Freund – es wird gehofft, dass diese Zusammenfassung dir im Verständnis vom Versöhnungs-tag geholfen hat.  Die Verheißungen, die uns in Yeshua bevorstehen, sind von unaussprechlicher Freude! Jeder ist zum ewigen Leben eingeladen. Nimm deine Erlösung in Messias Yeshua ernst und beschließe im Gebet heute mit der Sünde, die uns alle so leicht umstrickt, aufzuhören. Der Vater möchte uns an Yom Kippur den ewigen Sieg, den Er uns versprochen hat, überreichen. Gehe noch heute vor Yeshua und bekenne es Ihm, dass du Sein Joch auf dich nehmen möchtest und Ihm in alle Ewigkeit nachfolgen möchtest. Er wartet nur darauf, deinen Zugang zu Yom Kippur sicherzustellen! Möge Sein Friede dich heute begleiten.