Tagesbeginn

Wenn wir über die Zeiteinheit "Tag" sprechen, müsste als erstes etabliert werden, wie überhaupt die Wertstellung eines Tages geschieht.

earth sunEine Woche beinhaltet sieben volle Tage, ein ganzer Tag volle vierundzwanzig Stunden und eine Stunde sechzig Minuten. Aber was ist ein Tag und was sind Stunden? Tage und Stunden sind vorerst nur abstrakte Ausdrücke und Maßeinheiten, bis uns ein verständlicher Vorgang erklärt wird, wie diese ermittelt und definiert wurden.

Die Erde ist immer in Bewegung: sie umkreist die Sonne und dreht sich dabei gleichzeitig um die eigene Achse herum. Die Sonne ist die einzige Lichtquelle der Erde. Es wird an den Orten der Erde dunkel (Nacht), welche von der Sonne abgewandt sind.

Da die Erde sich in einer stetigen Drehbewegung befindet, ändert sich dieser Zustand nach einer Weile und es wird am selben Ort wieder hell (Tag), weil die Sonne den Ort wieder beleuchtet. Ein solch vollständiger Zyklus der Erde ist unser Begriff für "Tag". So besteht ein Tag aus Tageslicht (Tag) und Dunkelheit (Nacht). Dieses Verständnis entspringt aus der Heiligen Schrift.

1.2 Aus der Schöpfung

Im Schöpfungsbericht lesen wir von einem "Tag" in Verbindung mit 'Abend und Morgen'. Unser Verständnis ist somit bestätigt, dass eine Tageszählung aus Tag und Abend bestehen muss. Ein Tag umfasst also die volle Dauer des Tageslichts, als auch die gesamte Dauer der Dunkelheit. Dunkelheit beginnt mit dem Abend, erstreckt sich durch die Nacht hindurch und endet wieder mit dem Morgen.

1.Mo. 1:5: Und Elohim nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der erste Tag.

1.Mo. 1:8: Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der zweite Tag. (usw. in V. 13, 19, 23, 31).

Wie auch in unseren Bibelübersetzungen gut dargelegt, wird im Hebräischen sehr klar und deutlich zwischen den jeweiligen Tageseinheiten unterschieden:

  • layla (לילה) = Nacht
  • erev (ערב) = Abend
  • boker (בקר) = Morgen
  • yom (יום) = Tag

Die Juden verstehen es bisher entsprechend so, dass der Tag am Abend beginnt; denn dieser wird als erstes genannt. Es gilt auch zu merken, dass der Text in den Versen nicht wortwörtlich „der erste Tag“ (definitiver Artikel) sagt, sondern "ein Tag". Wie z.B. in Vers 5: "Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag". Einzig der Sabbattag wird als der siebte Tag genannt. So erhalten wir sechs volle Tage der Schöpfung, bestehend aus Tag und Nacht, die dann mit dem Sabbat abschließen.

1.3 Tag oder Tageslicht?

An dieser Stelle mag manch einer schlussfolgern, dass Gott nur das Licht „Tag“ nannte (yom). Somit kann mit dem ersten, zweiten oder sonst einem anderen Tag nur die Dauer des Tageslichts gemeint sein. Ein Tag dauert in diesem Fall nur ca. 12 Stunden an. Gott nannte aber die Nacht nicht auch noch Tag, sondern schloss sie, in der Zählung eines Tages, mit ein! Der Begriff Tag (yom) hat natürlich wie auch in unserer Sprache mehrere Anwendungsmöglichkeiten:

  • "Am Tag des Zorns" bestätigt nicht, dass der Zorn nur einen Tag lang währen wird. Hier wird ein bestimmtes Datum beschrieben.
  • "Tag der Geburt" bedeutet nicht, dass der Mensch bei Tageslicht geboren wurde.
  • "Sechs Tage sollst du arbeiten" heißt nicht, an sechs vollen Tagen, aus Abend und Nacht bestehend, müsste geschuftet werden.
  • Eine "Tagesreise" beschreibt eine zurücklegbare Strecke bei Helligkeit; die Nacht ist für gewöhnlich aus dieser Angabe ausgeschlossen.

Für einen vollständigen Tageswert aber dient die zuvor beschriebene astronomische Messung als Grundlage. Eine vollständige Erdumdrehung ist ein Zyklus: dies ist ein Tag. Fünf Tage machen fünf Tageslichter und fünf Nächte aus: d.h. fünf irdische Umdrehungen. Dies finden wir biblisch bestätigt:

3.Mo. 8:33: Und ihr sollt sieben Tage lang nicht hinausgehen vor den Eingang der Stiftshütte, bis zu dem Tag, an dem die Tage eures Einsetzungsopfers erfüllt sind; denn sieben Tage lang sollen euch die Hände gefüllt werden.
34 Was man heute getan hat, das hat YHVH zu tun befohlen, um für euch Sühnung zu erwirken.
35 Sieben Tage lang sollt ihr Tag und Nacht am Eingang der Stiftshütte bleiben und die Anordnungen YHVH befolgen, damit ihr nicht sterbt; denn so ist es mir geboten worden.

Diese Berechnungsgrundlage macht einen 24-Stunden Tag aus. Wir haben bis hierhin die Weise der Zählung geklärt, aber noch nicht den Startpunkt. Im weiteren Verlauf betrachten wir mehr Details.

2.1 War die Sonne für die Zählung 'notwendig'?

Als der erste Tag zum Anfang des Schöpfungsberichtes aufgezählt wird, gab es die Sonne noch gar nicht. Sie wurde erst am 4.Tag geschaffen. Kann es denn den 1., 2. und 3. Tag ohne Sonne gegeben haben? Wo war denn die Lichtquelle, wodurch das Tageslicht gemessen wurde? Die Antwort hierauf ist, dass die Erde im ersten Vers als 'Geschaffen' beschrieben ist, und Licht ist auch das erste, was Gott in die Existenz rief (v.3). Gott schuf die Erde, und die Leuchtquelle war dieses Licht.

Eine Rotation der Erde um die eigene Achse herum bestimmt einen 24-Stunden Tag. Die Länge und Dauer dieser Drehung hängt aber nicht von dem Einfluss des Sonnenlichts ab. Das Sonnenlicht wäre für uns zwar der einzig messbare Faktor für die Tag und Nacht Messung des Tages, aber nicht für den souveränen Schöpfer, welcher das Licht gab. Durch die Sonne können wir als Menschen zwar zwischen Tag und Nacht unterscheiden, eine Drehung der Erde macht dennoch 24-Stunden aus. Zeit begann für uns somit erst ab dem Zeitpunkt, wo Gott uns darüber Erkenntnis gab (v.14). Darüber hinaus gibt es noch weitere Aspekte, die wir nicht vergessen sollten.

2.2 Geistige Aspekte aus der Schöpfung

Schnell können sich Gesprächsrunden entfachen, in welchen über die Genauigkeit der Tageslänge, die Entfernung zur Sonne und andere astronomische Eigenschaften diskutiert wird.

Beinhaltet aber Gottes Wort für uns eventuell viel mehr als die Zusammensetzung von Energie, Gasen, Zeit und Materie? Wir glauben ja, insbesondere wenn gewisse Passagen und Verse aus dem hebräischen Kontext betrachtet werden.

Es ist zu berücksichtigen dass Gott den Menschen, durch Sein Schöpfungswerk, wohlmöglich grundlegende Einblicke in Seinen Gesamtplan schenkt. Aus einer solchen Betrachtungsweise heraus stellt die Dauer eines Tages das menschliche Fortbestehen auf dieser Erde dar; welches zwar eine Länge, aber auch eine Grenze hat. In dieser Dauer wirkt die Dunkelheit genauso wie das Licht, wobei  der Schöpfer eine Trennung zwischen diesen beiden machte (1.Mo. 1:4).

Die Dunkelheit wurde "Nacht" genannt. Vor der Dunkelheit kommt aber der Abend erev, und dies kann im Hebräischen auch 'Gemisch' bedeuten (Gesenius 18. Auflage S.1009) . Gottes Wege zu mischen, ist von Ihm strengstens verboten (5.Mo. 12:29-31). Denn hierdurch wird Wahrheit unkennt-lich gemacht. Vermischt man, entsteht früher oder später geistige Verwirrung bzw. Finsternis. Nach dem Abend kommt dann die dickere Finsternis, genannt "Nacht", in welcher man nicht mehr sehen kann. Die Dunkelheit (Hebr. 'choshech') kennzeichnet somit auch geistige Finsternis (das gleiche Wort in 2.Mo. 10:22). Das bedeutet den Schöpfer und Seine Wege nicht zu kennen (Jer. 4:23, Jes. 9:2).

Diese Finsternis entsteht für die Erdbewohner dann, wenn ihr Lebensraum vor der Sonne verborgen ist. Die Sonne wird als ein "Bräutigam" beschrieben (Ps. 19:5) und könnte auf Yeshua deuten, welcher wiederum das Licht der Welt ist (Joh. 8:12), wie die Sonne das Licht der Erde ist. Die Sonne, welche uns Orientierung gibt, wurde erst am 4. Tag geschaffen, und erst dann konnte der Mensch Tag und Nacht unterscheiden. Und Yeshua kam im viertausendsten Jahr des menschlichen Zeitalters.

So interessant dies auch sein mag, haben wir dennoch handfeste Materie aus der Schöpfung mit welcher wir Zeit in Stunden oder Tagen messen, um die Dinges des alltäglichen Lebens zu bestellen.

In der Schöpfung lesen wir von einem bestimmten Tag, an welchem der Schöpfer YHVH Elohim sich ausruhte, und Er gebietet Seinem Volk, diesen Tag der Ruhe einzuhalten. Gottes Volk wird geboten Seinen Sabbat zu halten! (Heb. 4:8, 2.Mo. 20:8). Jetzt wird es nicht nur wichtig zu verstehen, wie dieser Tag gehalten wird, sondern auch wann er anfängt. Dies wird also auch einen Kernpunkt dieses Artikels bilden. Wir suchen das richtige Verständnis eines Tagesanfanges, damit der Sabbat und die anderen Festtage zur rechtmäßigen Zeit eingehalten werden können (3.Mose 23:37).

2.3 Das menschliche Zeitalter

Aus der obigen Ausführung glauben wir daher zu sehen, dass der Tag - das menschliche Zeitalter - mit Dunkelheit anfing. Der Schöpfungsbericht beginnt mit dem wüsten Zustand der Erde. Der doch so vielversprechende Anfang des Menschen war schnell verunziert. Sünde kam durch einen Mann in die Welt (Röm. 5:12) und der Mensch wurde von Seinem Schöpfer getrennt (1.Mo. 3:8-13).

Aber YHVH sicherte, in Seiner Liebe, einen Erlösungsplan den Menschen zu. Diejenigen, welche an Erlösung in Yeshua glauben (1.Mo. 3:15, Joh.3:16), werden eines Tages wieder beim Schöpfer sein dürfen (Off. 22:1.-5). Vorweg verstehen wir es also so, dass der Tag für Gottes Erlöste ins Licht hinübergehen wird. Derjenige, welcher in allem wirkt, ist YHVH Elohim höchstpersönlich!

Jes.45:5: Ich bin YHVH und sonst ist keiner; denn außer mir gibt es keinen Elohim. Ich habe dich gegürtet, ohne dass du mich kanntest, 6 damit vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang erkannt werde, dass gar keiner ist außer mir. Ich bin YHVH, und sonst ist keiner, 7 der ich das Licht mache und die Finsternis schaffe; der ich Frieden gebe und Unheil schaffe. Ich, der Herr, vollbringe dies alles.

Bis hierhin wird nicht behauptet, dass diese Erklärungen empirische Beweise für den tatsächlichen Tagesbeginn darstellen. Sie bieten uns aber eventuell einen Ausblick auf das, was die Schöpfung uns täglich zeigt (Hiob 12:8). Es wird nun in Folge biblisch dargestellt, dass die Tage am Abend beginnen.

2.4 Stunden, Minuten & Sekunden

In der Bibel werden wir von Stunden lesen aber nicht von Minuten, und sowohl Uhren als auch Computer, um die Zeit zu messen, gab es zum damaligen Zeitpunkt nicht. Die Zeitmessung hat sich im Laufe des Zeitalters geändert, aber die Zeit an sich bleibt ein Festwert. Menschliche Messungen beeinflussen die Erdumdrehung nicht. Die Ägypter nutzten Sonnen- und Wasseruhren für die Messung am Tag und bei Nacht, und auch in Israel wurden Sonnenuhren eingesetzt (2.Kö. 2:9-11).

Versuchen wir also heute eine Zeitrechnung von damals zu verstehen, benötigen wir den heutigen äquivalenten Wert. Zum Beispiel bedeutet "in der vierten Wache" (Matt. 14:25) innerhalb der drei Stunden vor Sonnenaufgang. Diese Aufteilung weist auf eine römische Zeiteinteilung hin. Einfacher für uns heute wäre die Aussage "zwischen 3-5 Uhr morgens". Aber sowohl damals als auch jetzt beschreiben wir hier die gleiche Tageszeit: der Abschnitt vor dem Morgengrauen.

days hours

Der jüdische Tag war anders aufgeteilt, als wir ihn heute kennen. Tag und Nacht wurden zu je 12 Teilen aufgeteilt; unabhängig davon wie viel Sonnenlicht oder Dunkelheit es zu der entsprechenden Tageszeit gab. Diese Teile wurden auch "Stunden" genannt.

Aber wir dürfen nicht denken, dass 12 Stunden aus der Bibel (Joh. 11:9) unseren heutigen Stundenlängen entsprechen. Denn mit längerem Tageslicht im Sommer wären diese 12 eigentlich 15 Stunden gemäß unserer Zählung. An kürzeren Tagen im Winter ist es dann umgekehrt: eine Stunde entspricht einer ganze Stunde minus 15 Minuten.

3.1 Tagesbeginn

horizontHeute benutzen auch Israelis herkömmliche Tagesmessungen und Uhrzeiten, um den Alltag zu bestimmen. Zu liturgischen Zwecken wird dennoch auf Basis des 'jüdischen Tages' gerechnet. Der Tagesbeginn war für Israel schon immer von Bedeutung, denn der Sabbat und andere Festtage mussten zur rechten Zeit begonnen und eingehalten werden. Israels Tag beginnt für die Festtage seit je her mit dem Sonnenuntergang.

Hierfür wurden im Judentum Richtlinien aufgestellt, und nach rabbinischem Übereinkommen begann der Tag bei Sonnenuntergang, wenn drei Sterne am Himmel sichtbar waren.Dies hat astronomische Hintergründe. Der Zeitpunkt der Sichtung von den drei Sternen am Himmel überschneidet sich mit dem Zeitpunkt, wo die Sonne sich 6° unter dem Horizont befindet. Dies ist gemäß heutiger Bestimmung um ca. 18:00 Uhr. Die gesehenen Sterne dienen in diesem Fall als 'Markierung'. Laut Edersheim war diese Sichtung zu Zeiten Yeshuas in Gebrauch und wird demnach ein bestimmender Faktor zum Tagesanfang gewesen sein (siehe auch Edersheim, 'Life and Times of Jesus the Messiah' s. 805).

3.2 Beweise des Tagesbeginns

Das Verständnis der Juden seit hunderten und sogar seit tausenden von Jahren, ist also, dass der Tagesbeginn  am Abend stattfindet. Einige behaupten heute dass dies so nicht sei, und dass die Tage am Tag oder Morgen anfangen. Dies würde den Sabbatbeginn natürlich um etliche Stunden verschieben. Dass diese Lehre nicht biblisch und sogar irreführend ist, kann hier aufgezeigt werden.

Wir werden keinen Vers aus der Bibel finden, der als Gebot festsetzt, den Tag am Abend oder bei Sonnenuntergang zu beginnen. Ebenfalls finden wir aber auch kein Gebot dazu, dass der Mensch an den übrigen sechs Tagen Abends nicht arbeiten darf, dass er schlafen soll, sich zu pflegen hat oder Verwandte besuchen darf. Die Torah ist kein Katalogbuch von Regeln, sondern erteilt dem Menschen Richtlinien, um einen heiligen Lebenswandel vor Gott zu führen und in Frieden und Gerechtigkeit mit seinen Mitmenschen zu weilen.

Viele Dinge sind aus dem täglichen Leben klar und deutlich und Israel wusste, wann ein Tag beginnt. Es gab offensichtlich keine Notwendigkeit etwas so Deutliches extra als Regel aufzulisten. Wir liefern hiermit die Beweise, dass die Tage aus Gottes Plan gar nicht anders anfangen können. Anschließend führen wir weitere Stellen zur Bestätigung auf.

Mit welcher Voreinstellung auch immer an dieses Thema herangegangen wird, wird es jetzt wichtig den Inhalt und Kontext der folgenden Verse genauestens zu beachten. Schnell ist manchmal etwas weg- oder hineinspiritualisiert, wenn einem persönlich der Ausgangspunkt nicht gefällt! Zeile für Zeile, Wort für Wort und Bedeutung für Bedeutung, sowohl aus der Übersetzung, als auch aus dem Urtext, gilt es nun zu beachten. Wir fangen mit dem Passahgebot an.

4.1 „Zur Abendzeit“ und „die Abende“

1.Mo. 12:2: Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll für euch der erste Monat des Jahres sein 3 Redet zu der ganzen Gemeinde Israels und sprecht: Am zehnten Tag dieses Monats nehme sich jeder Hausvater ein Lamm, ein Lamm für jedes Haus

K.1: Es geht um die Vorbereitung für das erste heilige Fest im Jahr: das Passah. Das Lamm, ohne welches das Fest nicht gefeiert werden kann, ist hier zentral. Das Blut des Lammes bewahrte vor dem Eintritt des Zerstörers und musste anschließend gegessen werden. Das Lamm wurde bereits am 10. Tag des ersten Monats des hebräischen Jahres abgesondert. Danach wurde es vier Tage lang auf Fehl inspiziert und konnte dann am 14. Aviv geschächtet werden.timeline

1. Mo. 12:6: und ihr sollt es aufbewahren bis zum vierzehnten Tag dieses Monats. Und die ganze Versammlung der Gemeinde Israels soll es zur Abendzeit schächten.

K.2: Das Lamm soll am 14. Aviv zur Abendzeit herum geschlachtet werden; dies ist die Überlieferung aus dem Urtext. Die Abendzeit ist ein bestimmter Zeitpunkt am Tag. Wir erwarten gedanklich hier zumindest eine bestehende Dämmerung oder vielleicht sogar bereits den Einbruch der Dunkelheit. Würden wir aber nun lesen, dass das Lamm "zwischen den Abenden" geschächtet werden sollte, würde dies höchstwahrscheinlich für uns keinen Sinn ergeben. Dies ist aber genau das, was der Urtext sagt:

1.Mo.12:6 והיה לכם למשׁמרת עד ארבעה עשׂר יום לחדשׁ הזה ושׁחטו אתו כל קהל עדת־ישׂראל בין הערבים׃

K.3: Der hervorgehobene Teil ist jener, welcher als "zur Abendzeit" übersetzt wurde. Die Elberfelder übersetzt hier korrekt mit "zwischen den zwei Abenden" (beyn HaArbayim). Wenn wir uns das Wort für Abend erev (ערב) noch mal anschauen, erkennen wir, dass es jetzt als Wurzelwort in haarbayim (הערבים) zu lesen ist.

Das Wort arbayim bedeutet 'zwei Abende' im Sinne eines Paares von etwas, was zusammengehört. Wie z.B. zwei Augen 'eiynayim', Ohren 'oznayim' oder Beine 'raglayim'. In diesem Fall sind es zwei ganz bestimmte Abende und nicht irgendwelche. So funktioniert die hebräische Sprache und wir können weitere Spekulationen über die Bedeutung von arbayim ausschließen: das Wort bedeutet schlicht und ergreifend 'Abende'. Die Elberfelder setzt hier also die richtige Nuance.

So bedeutet nun beyn haarbayim unumstößlich "zwischen den zwei Abenden". Wir aber kennen und haben diesen Begriff in der deutschen Sprache nicht. Daher versuchen wir dies jetzt, mit dem was wir bereits erforscht haben, zu verstehen. Im Schöpfungsbericht sahen wir klar, dass die Begriffe Morgen, Tag, Abend und Nacht jeweils gesondert für sich beschrieben wurden. Es kann somit nicht argumentiert werden, dass der Text "zwischen Abend und Nacht" meint, da das Wort für Nacht "layla" in keinerlei Weise hier vorkommt. Somit ist die Nacht nicht der zweite von 'den zwei Abenden'. Der Gesamtkontext schließt also ein Schlachten des Lammes 'nach dem Abend und vor der Nacht' aus.

Wenn der Abend aber einen fixen Zeitpunkt darstellt und die Nacht auf den Abend folgt, dann kann zwischen den Abenden nur bedeuten, dass das Lamm vor dem uns heute bekannten Abend geschlachtet werden muss. Der erste von den "zwei Abenden" muss daher sowieso vor der Nacht sein und auch noch vor dem Zeitpunkt des "Abends" aus der Schöpfung. Dieses Szenario können wir rasch aus dem Neuen Testament bestätigen. Messias Yeshua starb am Tag des Passahs, weil das Passahlamm all die Jahre über lediglich auf Ihn gedeutet hat. Yeshua ist das Passahlamm!

1.Kor. 5:7: Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits ungesäuert seid! Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet.

Da das Lamm beim Exodus nun auf Yeshua deutete und eine Zeitangabe der Opferung in der Torah angegeben ist, können wir jetzt erwarten, dass diese Details sich in Yeshua erfüllen. Auch wäre es für uns wichtig diese Tatsachen dokumentiert vorzufinden. Und dem ist auch so!

Matt. 27:45: aber von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
46 Und um die neunte Stunde rief Yeshua mit lauter Stimme: Eli, Eli, lama sabachthani, das heißt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
47 Etliche der Anwesenden sprachen, als sie es hörten: Der ruft den Elia!
48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.
49 Die übrigen aber sprachen: Halt, lasst uns sehen, ob Elia kommt, um ihn zu retten!
50 Yeshua aber schrie nochmals mit lauter Stimme und gab den Geist auf.

hebrew dayWir haben die klaren Zeitangaben von der sechsten bis zur neunten Stunde, in welcher Yeshua Seinen Geist in die Hände des Vaters gab. Die Torah erfüllt sich in Yeshua bis ins kleinste Detail.

Wie im Diagramm verzeichnet, wissen wir nun auch, dass die erste Stunde um die Zeit von 6 Uhr morgens ist. Die sechste Stunde entspricht 12:00 Uhr und die Neunte 15:00 Uhr.

Passah findet im Monat Aviv statt. Dies ist immer im Frühling, wo Tage und Nächte ziemlich gleich lang sind. Das heißt auch anders, dass eine ziemliche Zeitstabilität zwischen Tag und Nacht zu dieser Zeit herrscht.

4.1 Der erste Abend

Was den ersten Abend angeht, ist die Redewendung von den "zwei Abenden" als zwischen Mittag und Abend zu verstehen. Der Abend an sich, erev, ist fest und beständig der Zeitpunkt nach dem Sonnenuntergang am Horizont. Wenn erev als Singular in der Schrift vorkommt, ist damit auch dieser Zeitpunkt gemeint. Der erste Abend wurde oft ganz simpel als "ab nach dem Mittag" verstanden. Die Sonne erreicht zu dieser Tageszeit den höchsten Punkt und fängt dann wieder an sich zu neigen. Ab der Neigung begann bereits der erste Abend. Der zweite Abend ist dann der 'wirkliche' Abend, erev. Viele Bibelgelehrte sind sich demnach darüber einig, dass sich der Zeitpunkt der zwei Abende zwischen der 6. und 12. Stunde befindet (12 - 18 Uhr).  Aus dem Historiker Josephus Flavius könnte jedoch hervorgehen, dass dieser Zeitpunkt eher zwischen der 9. und 12. Stunde (15 - 18 Uhr) von den Juden verstanden wurde (siehe Flavius Josephus "The Complete Works" s. 898).

Die letzte Stunde des Tages - die 12. - ist dennoch um 18 Uhr herum. Da Yeshua um 15 Uhr starb, könnte 'der erste Abend' früher gewesen sein, oder er fing hier aber gerade an.  Zwischen den Abenden bedeutet also vereinfacht: zwischen dem Mittag und dem Abend. In heutiger Sprache wäre dies in etwa zwischen 12 und 18 Uhr. Yeshua, unser Passahlamm, wurde um 15 Uhr herum geopfert, ganz wie in der Torah beschrieben:  "Und die ganze Versammlung der Gemeinde Israels soll es zwischen den Abenden schächten".

4.2 Fester Zeitpunkt

Wir haben uns mit der Erklärung der Zeiten etwas Ausführlichkeit erlaubt und erachteten dies für wichtig, da wir nun mit dem weiteren Verlauf des Festes fortfahren möchten. Es ist nun ein fester Zeitpunkt definiert, den wir uhrzeitlich eingrenzen und genau einkreisen können. Die Torah befahl nicht starr und legalistisch, das Lamm punktgenau zu einer gewissen Stunde - mit ja keinen Abweichungen - zu schächten. Sondern Gott schuf für Israel einen möglichen und erreichbaren Rahmen welcher mit  ausreichend gegebenen Vorbereitungen realistisch zu erfüllen ist. Jeder der ein Tier zum Essen schon mal zubereitet hat, ist dankbar für diese Vorkehrung Gottes!

Das Lamm soll daher nicht früher als mittags und nicht später als abends geschächtet werden. Dies ist notwendig und wichtig, wie wir gleich sehen werden, damit ganz Israel zur rechten Zeit bereit ist, das Lamm zu verzehren. Welche Zeit ist dies nun?

1.Mo. 12:8: Und sie sollen das Fleisch in derselben Nacht essen: am Feuer gebraten, mit ungesäuertem Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen.

K.4: Hier haben wir auch wieder einen klar definierten Zeitpunkt. Im Urtext ist hier der Begriff „layla“ aufgeführt, welchen wir bereits als 'Nacht' kennen. Jeder Haushalt ist angehalten ein Lamm für sich zu schlachten. Dass das Essen des Fleisches bis in die Nacht hineingeht, ist schlüssig, da das Zubereiten einige Zeit in Anspruch nahm.

timelineNun kann Israel sich am Abend setzten, um an dem Mahl teilzunehmen. Wir sollen auch merken, dass der ganze Tag des 14. Aviv kein Feiertag ist. Der Feiertag ist erst am 15. Aviv und an diesem wird geboten, mit dem Essen des ungesäuerten Brotes zu beginnen.

Das Lamm wird am Tag des 14. zugerichtet und erst zum Beginn des Abends hat Israel nun Zeit, von dem Lamm zu essen. Aber punktgenau, am gleichen Abend des 14. Aviv, beginnt bereits das nächste biblische Fest.

1.Mo. 12:18: Am vierzehnten Tag des ersten Monats, am Abend, sollt ihr ungesäuertes Brot essen bis zum einundzwanzigsten Tag des Monats, am Abend.

Es ist das Fest der Ungesäuerten Brote! Das Lamm ist ein Teil des Mahls und es kommen auch noch die bitteren Kräuter hinzu. Wir lesen hier dass das Fest in jedem Fall von Abend zu Abend währt und dies markiert den Start und Schlusspunkt des Festes. In diesem Vers wird im Urtext auch nicht das Wort „layla“, sondern erev genutzt. Es bedeutet schon mal eindeutig, dass der erev, der Abend, der Anfangspunkt des Festes sein wird. Wann fängt das Fest der Ungesäuerten Brote dann demnach an?

3.Mo. 23:6: Im ersten Monat, am vierzehnten Tag des Monats, zwischen den Abenden, ist das Passah YHVHs

3.Mo. 23:7: Und am fünfzehnten Tag desselben Monats ist das Fest der ungesäuerten Brote für YHVH. Da sollt ihr sieben Tage lang ungesäuertes Brot essen.

Das Fest der Ungesäuerten Brote ist im selben Monat, am 15. Aviv, direkt im Anschluss zum Passah des 14. Aviv. Viel eindeutiger kann es kaum noch berichtet werden. Wenn der Tag des 14. Aviv am Abend vorüber ist und der Tag des 15. Aviv sofort anfängt, wann beginnt dann ein Tag wirklich?

4.Mo. 28:16: Aber am vierzehnten Tag des ersten Monats ist das Passah YHVHs; 17 und am fünfzehnten Tag desselben Monats ist das Fest; sieben Tage soll man ungesäuertes Brot essen.

Die einzige Möglichkeit ist nun:
  • am Abend des 14. das Passahmahl zu nehmen
  • den 15. des Aviv zur rechten Zeit anzufangen
  • dabei 7 volle Tage lang ungesäuertes Brot zu essen

Das nachvollziehbare Einhalten von sieben Tagen mit Abschluss am 21. Aviv ist nur möglich, wenn die Tage abends anfangen. Es gibt sonst keine andere Grundlage alle diese Bestimmungen korrekt einzuhalten.

5.1 Weitere Belege

Wir finden aus der Bibel weitere Beweise für den Tagesanfang am Abend:

3. Mo.23:26: Und YHVH redete zu Mose und sprach:
27 Am zehnten Tag in diesem siebten Monat ist der Versöhnungstag, der soll euch eine heilige Versammlung sein; und ihr sollt eure Seelen demütigen und YHVH ein Feueropfer darbringen;
28 und ihr sollt an diesem Tag keine Arbeit verrichten, denn es ist der Versöhnungstag, um Sühnung für euch zu erwirken vor YHVH, eurem Elohim.
29 Denn jede Seele, die sich an diesem Tag nicht demütigt, die soll ausgerottet werden aus ihrem Volk;
30 und die Seele, die an diesem Tag irgend eine Arbeit verrichtet, die will ich vertilgen mitten aus ihrem Volk.
31 Ihr sollt keine Arbeit verrichten. Das ist eine ewig gültige Ordnung für eure künftigen Geschlechter an allen euren Wohnorten.
32 Ein Sabbat der Ruhe soll es für euch sein, und ihr sollt eure Seelen demütigen. Am neunten Tag des Monats, am Abend, sollt ihr die Feier beginnen, und sie soll währen von einem Abend bis zum anderen.

Nehemiah 13:9: Und es geschah, sobald es dunkel wurde in den Toren Jerusalems vor dem Sabbat, da befahl ich, die Tore zu schließen; und ich befahl, man solle sie nicht öffnen bis nach dem Sabbat; und ich stellte einige meiner Diener an den Toren auf, damit man am Sabbattag keine Last hereinbringe.

Mark 1:32: Als es aber Abend geworden und die Sonne untergegangen war, brachten sie alle Kranken und Besessenen zu ihm. 33 Und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt. 34 Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden, denn sie kannten ihn.

5.2 Die Frauen am Grab

Matt. 28:1: Nach dem Sabbat aber, als der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um das Grab zu besehen.

Markus 16:2: Und sehr früh am ersten Tag der Woche, als die Sonne aufging, kamen sie zu dem Grab.

Lukas 24:1: Am ersten Tag der Woche aber kamen sie am frühen Morgen zum Grab und brachten die wohlriechenden Gewürze, die sie bereitet hatten und noch etliche mit ihnen.

Joh. 20:1: Am ersten Tag der Woche aber kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein von dem Grab hinweggenommen war.

Wann kamen die Frauen nun zum Grab? Proponenten des 'Tagesanfang am Morgen' lassen in der Beweisvorführung mal gerne den 4. Bericht aus Johannes weg, weil dieser ihrer Theologie auf den Kopf stellt. Die Frauen kamen am 1. Tag der Woche zum Grab, nach dem Sabbat, als es noch finster war. Johannes bezeugt hier, dass der Tagesbeginn schon vor dem Sonnenaufgang geschah.

6.1 Einwände

Dies waren nur eine Handvoll von Beweisen, welche belegen, dass der biblische Tag abends anfängt. Wir finden in der Schrift keine Hinweise dafür dass die Tage mit dem Tag, also dem Sonnenaufgang oder am Morgen, beginnen. Zu diesem Thema  sind dennoch gegensätzliche Überzeugungen vorhanden. Der Autor hat sich mit einigen dieser Einwände beschäftigt und konnte mit den Belegen welche verwendet wurden, keine Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift erkennen. Wir werden sie nacheinander betrachten.

#1: Das Manna in der Wüste

Angeblich soll der Zeitpunkt der Mannasammlung in der Wüste darüber Aufschluss geben, dass die Kinder Israels den Tag am Morgen begannen. Gott sicherte den Israeliten tägliche Nahrung in der Wüstenzeit zu und ließ das „Manna vom Himmel regnen“ (2.Mo. 16:4, Ps. 78:24). YHVH möchte dass Israel ganz auf Ihn vertraut und Er gibt ihnen jeden Tag frisches Manna für den Lebensunterhalt. Eine Vorratssammlung war ihnen untersagt und sie sollten nur das einholen, was täglich benötigt wurde.  Versuchte jemand aber dennoch Manna auf Vorrat zu sammeln, verdarb die Nahrung! (2.Mo. 16:20).

Ob die Israeliten Seine Gebote befolgen würden, wird durch den Sabbattag geprüft. An sechs Tagen sollen sie sammeln und am siebten Tag, am Sabbat, wird Er nichts regnen lassen. Nur in der Sabbatvorbereitung am sechsten Tag sollte Israel eine doppelte Menge einsammeln. Dieser für den Sabbat gesammelte Überschuss verdarb nicht. Die Sammlung des Mannas geschah immer am Morgen (2.Mo 16:21). Dies soll dann der Beleg dafür sein, dass ein Tag am Morgen anfängt:

2.Mo.16:23: Und er sprach zu ihnen: Das ist es, was YHVH gesagt hat: Morgen ist eine Ruhe, ein heiliger Sabbat YHVH! Was ihr backen wollt, das backt, und was ihr kochen wollt, das kocht; was aber übrig ist, das legt beiseite, damit es bis morgen aufbewahrt wird!
24 Und sie legten es beiseite bis zum Morgen, wie Mose geboten hatte; und es wurde nicht stinkend, und es war auch kein Wurm darin.
25 Da sprach Mose: Esst das heute! Denn heute ist der Sabbat YHVH; ihr werdet es heute nicht auf dem Feld finden.
26 Sechs Tage sollt ihr es sammeln, aber am siebten Tag ist der Sabbat, da wird keines zu finden sein.

Auch nach mehrmaligem Lesen dieser Stellen bleibt es schwer nachzuvollziehen, wie diese Verse als Beweise für den Tagesanfang am Morgen gelten sollten. Die Schlussfolgerung hier ist folgende: da Mose am 6.Tag am Morgen eindeutig betonte "Morgen ist ein Sabbat", würde der Tag offensichtlich immer morgens anfangen. Finge der Sabbat am Abend an, so die Argumentation, hätte Mose demzufolge angeblich sagen müssen „heute Abend ist der Sabbat“.

Wir können dieser Logik nicht beipflichten. Das Wort hier für Morgen beschreibt den morgigen Tag. Vorerst aber: ein Sabbatbeginn zum Sonnenuntergang ist ebenfalls der morgige Tag! Das hebräische Wort für morgen „machar“ (מחר) sagt nichts darüber aus, zu welcher Tageszeit ein Tag beginnt. Möglicherweise konnten die Anhänger dieser These den Kontext aus dem Urtext nicht vollständig erfassen.

In der deutschen Sprache kann das Wort „Morgen“ die Tageszeit des Morgens oder der nächste Tag bedeuten. „Wir treffen uns morgen“ bedeutet eine Verabredung am folgenden Tag, ohne eine spezifische Uhrzeit zu definieren. „Wir treffen uns morgen am Morgen“ sagt erst etwas über das Datum und dann den Zeitraum aus. Der Kontext gibt uns zu verstehen, wann was gemeint ist.

Im Hebräischen kommt dieser Fall jedoch nicht vor. Es gibt ein spezifisches Wort für den Morgen „boker“ und ein eigenes Wort für den Tag nach dem Heutigen: machar. An den obigen Stellen ist von machar die Rede. Es ist demnach nicht praktisch anwendbar, dass überall wo das Wort „morgen“ in der Schrift vorkommt, immer der Zeitraum des Morgens gemeint ist. Hier ist ein treffendes Beispiel:

1.Sa. 20:18: Und Jonathan sprach zu ihm: Morgen ist Neumond; und man wird dich vermissen, denn dein Sitz wird leer bleiben.

Jonathan sprach zu David, dass der folgende Tag (machar) der Neumond ist. Ohne weiteres wissen wir hier bereits, dass der Neumond nicht am Morgen sondern am Abend beginnt.

Was das Sammeln des Mannas am Morgen betrifft, gibt es keine Herausforderung im Verständnis. Zuvor hatte YHVH versprochen am Abend Wachteln zu schicken (2.Mo. 16:12), welche Israel als Fleischvorrat dienen werden. Die Wachteln sollten am Abend gesammelt werden und das Manna am Morgen. Der Morgen stellt den bestmöglichen Zeitpunkt des Sammelns dar; dieses musste vor dem Sonnenaufgang geschehen, ehe das Manna schmilzt (2.Mo. 16:21). Schauen wir uns die folgende Abbildung an, sehen wir, dass es keine Konflikte mit dem Sammeln und dem Sabbat gibt, wenn Israel morgens das Manna einholt.

manna dayEs ist einfach zu erkennen, dass die Israeliten das Sabbatgebot in allem Umfang einhalten konnten. Die roten Striche markieren den einzigen Tagespunkt in der Woche, bei dem Israel kein Manna einholte und sich von dem Vorrat des 6. Tages nährte.

Dieser Zyklus beginnt erneut jede Woche am ersten Tag. Das Sammeln des Mannas am Morgen ist daher kein valides Argument für den Tagesbeginn bei Sonnenaufgang.

Zusammenfassung:
  • Das Wort für morgen machar sagt keine Tageszeit aus
  • Der Tagesbeginn ist am Abend und das Sammeln des Mannas geschieht reibungslos am morgen
#2: Yom Kippur

Ein weiterer Einwand dagegen, dass ein Tag am Abend beginnt, ist das Argument gegen eine Verallgemeinerung des Versöhnungstages. Der Einwand lautet, dass der Bibeltext zwar sehr wohl den Versöhnungstag mit dem Beginn am Abend voraussetzt und als Gebot bestätigt, dies aber nur eine Ausnahme sei. Die Probleme, die sich daraus ergeben würden, werden entweder gar nicht erwähnt oder werden schöngefärbt.

3.Mo.23:32 Ein Sabbat der Ruhe soll es für euch sein, und ihr sollt eure Seelen demütigen. Am neunten Tag des Monats, am Abend, sollt ihr die Feier beginnen, und sie soll währen von einem Abend bis zum anderen.

Stellt dies nur eine Ausnahme dar, wird uns aber nicht erklärt, wie die hieraus entstandenen schwerwiegenden Probleme  bewältigt werden. Die Schrift bestätigt nun mal klar, dass Yom Kippur am 10. des Monats beginnt:

4.Mo.29:7: Und am Zehnten dieses siebten Monats sollt ihr eine heilige Versammlung halten, und ihr sollt euch demütigen; keinerlei Arbeit sollt ihr tun.

Yom Kippur ist nicht irgendein Tag, sondern der Tag an dem das Jubeljahr anfängt! Kein anderer Tag im Jahr, außer der Tag der Versöhnung, beginnt das Jahr der Freilassung:

3.Mo.25:8: Und du sollst dir sieben Sabbatjahre zählen, siebenmal sieben Jahre, so dass die Tage von sieben Sabbatjahren dir 49 Jahre ausmachen.
9 Und du sollst im siebten Monat, am Zehnten des Monats, ein Shofar erschallen lassen; an dem Versöhnungstag sollt ihr ein Horn durch euer ganzes Land erschallen lassen.
10 Und ihr sollt das Jahr des fünfzigsten Jahres heiligen, und sollt im Land Freilassung für all seine Bewohner ausrufen. Ein Jubeljahr soll es euch sein, und ihr werdet jeder wieder zu seinem Eigentum kommen und jeder zu seiner Sippe zurückkehren.

Die Bibel bestätigt dass der 10. des 7. Monats Ethanim abends anfängt. Um das Jubeljahr zu bestimmen, müssen wir sieben Sabbatjahre abzählen. Im Freilassungsjahr erfährt Gottes Volk Freiheit von Schuld und Sünde! Unter keinen Umständen möchten wir diesen verheißungsvollen Tag daher verpassen. Um aber Jahre korrekt zu zählen, müssen auch die Tage richtig gezählt werden.

In diesem Artikel haben wir bereits etabliert, dass ein ganzer Tag aus Abend und Morgen besteht. Wenn der Tagesbeginn zu Yom Kippur eine Ausnahme darstellt, wird nie richtig bis zum Freilassungsjahr gezählt werden können und das Jubeljahr bliebe auf immer verfehlt.chagim days

Stellen wir uns vor, der Tagesanfang ist tatsächlich am Morgen und Yom Kippur stellt eine einmalige Ausnahme dar; welche sich allerdings jedes Jahr wiederholt! (Siehe Abbildung).

Wie wäre aus der unterbrochenen Schleife der Tageszählung jemals wieder rauszukommen, wenn doch nun vollständige 24-Stunden Tage als Grundlage der Zählung dienen?

Dies ist eine mathematische Unmöglichkeit. Vielleicht erkennen wir hier schon, dass es bei dem Kampf um den Tagesbeginn um mehr als nur um die Tageszählung geht. Dieser Kampf ist ein geistlicher (Eph. 6:12). Hätte Israel damals die Tage falsch verstanden, wären sie nie rechtzeitig zu dem Tag angekommen, an welchem Gott Erlösung, Schuldfreisprechung und einen Neuanfang versprach.

Yom Kippur, so wie alle anderen Tage, beginnt am Abend. Jede andere Methode führt zur Sklaverei und in dieser Knechtschaft möchte der Feind, Gottes Volk halten. Gottes Wort und Erlösung stehen uns hingegen klar und deutlich zur Verfügung, damit wir an Seinen Verheißungen teilhaben können.

#3: Heilungen des Messias aus dem Markus Evangelien

Weiter wird dann bestritten, dass das Einbringen der Kranken zu Yeshua kein Indiz dafür sei, dass der Sabbat an dem Tag mit dem Abend endete:

Mark 1:32: Als es aber Abend geworden und die Sonne untergegangen war, brachten sie alle Kranken und Besessenen zu ihm. 33 Und die ganze Stadt war vor der Tür versammelt. 34 Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden, denn sie kannten ihn.

Der Einwand wäre hier, dass Yeshua bereits am selben Tag heilte (Mark 1:21-26). An dem Tag war es Sabbat und die Argumentation lautet,  dass Yeshua keinen Unterschied darin machte, zu welcher Tageszeit Er die Kranken heilte.

In der Tat machte der Messias hierin keinen Unterschied. Der Grund weswegen die Menge erst nach Sonnenuntergang die Kranken einbrachte, war auf die Lasten zurückzuführen, welche die Menschen nicht am Sabbat tragen wollten, da sie den Sabbat heiligen wollten. Der Heiland reagierte auf den Glauben der Menge und heilte sie alle. Sehr eindeutig verstand Israel hier, wann der Tag endet: bei Sonnenuntergang.

7.1 Abschluss

Der Sonnenuntergang bestimmt den Tagesbeginn für Gottes Volk, denn so hat der Schöpfer es verordnet. Durch Jahrhunderte hinweg hat es die Gemeinde verlernt, Gottes Festtage richtig zu bestimmen, um am gebotenen Tag vor Gott zu erscheinen. In diesen letzten Tagen schenkt YHVH Elohim uns immer mehr Klarheit bezüglich Seinem Wort. Wir als Sein Volk dürfen den Weg zu Seinen Festtagen, Geboten und zu Seiner Torah zurückfinden!

Es wird angeregt sich auch den ergänzenden Teil zum Thema anzuschauen (Der Biblische Kalender). Gottes Zeiten sind von hoher Wichtigkeit, denn in ihnen zeigt Er Israel auf, wie Er ihre Erlösung bewirkt. Ein jeglicher muss sich dazu entscheiden, ob für ihn die Aussagen der Bibel bindend sind, oder ob eine Lehre befolgt werden soll, welche den Schein einer Absonderung hat, dabei aber irreführend und verdreht ist. Mit dieser Verheißung bringen wir das Thema zu einem Schluss:

Jesaja 2:2-3: Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses YHVH fest stehen als Haupt der Berge und erhaben sein über die Hügel; und alle Nationen werden zu ihm strömen. 3 Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg YHVH, zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns aufgrund seiner Wege belehre und wir auf seinen Pfaden gehen! Denn von Zion wird die Torah ausgehen und das Wort YHVH von Jerusalem.

Amen!

Bildernachweis:

"Planet Earth in space": istockphoto.com/profile/natatasha