Bibelversionen

Die Bibel

Das 1. Testament (oder „Altes Testament“)

Das Wort Bibel leitet seine Herkunft aus dem Griechischen τὰ βιβλία (ta bibilia) ab und bedeutet so viel wie "Die Bücher". Diese Bücher welche zusammengefügt wurden, finden wir heute in dem einen Buch, welches wir als die "Bibel" kennen. Die Bücher der Bibel wurden über einen Zeitraum von mehr als 1400 Jahren, ausschließlich von hebräischen Männern, geschrieben.

Die Zusammensetzung und Anwendung gestaltet sich dennoch, je nach Ausrichtung und Glaube, etwas unterschiedlich. Das Judentum und das Christentums sind die vorrangigen Richtungen, welche diese Schriften für heilig, sowie von Gott inspiriert, erachten. Aus diesen geschriebenen Büchern beziehen somit beide ihre Grundlage für die geistige Wegweisung und den Lebensgrundsatz.

Die Christliche Zusammenfassung

Aus christlicher Sicht beinhaltet die Bibel sechsundsechzig Bücher, welche unter dem Alten und Neuen Testament aufgeteilt sind. Das Alte Testament weist in dieser Ordnung 39 Bücher auf und wird, klassischerweise, auf folgende Weise gruppiert:

I. Gesetz: 1.Buch Mose, 2. Buch Mose, 3.Buch Mose, 4.Buch Mose, 5.Buch Mose

II. Historie: Joshua, Richter, Ruth, 1. & 2. Samuel, 1. & 2. Könige, 1. & 2. Chronik, Ezra, Nehemia, Ester

III. Weisheitsbücher: Hiob, Psalmen, Sprüche, Prediger, Lieder Salomo

IV. Hauptpropheten: Jesaja, Jeremia, Klagelieder, Hesekiel, Daniel

V. Nebenpropheten: Hosea, Joel, Amos, Obadia, Jona, Micah, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja, Maleachi.

Diese Zusammentstellung bildet, durch die Anzahl der Bücher zwar die Vollkommenheit des anerkannten Kanons, sie unterscheidet sich aber von der Chronik der Hebräischen Schrift. Die Reihenfolge der Hebräischen Schrift ist daher differenziert.

Die Hebräischen Schriften

Die Hebräische Bibel beinhaltet vierundzwanzig Bücher, umfasst dieselben Bücher wie im christlichen Alten Testament und ist in drei Abteilungen aufgeteilt:

I. Gesetz oder „Lehre“ (Torah)
II. Propheten (Nevi'im)
III. Schriften (Ketuvim)

Diese Zusammenstellung wird auch "Tanakh" genannt. Tanakh ist ein Akronym (Abkürzungswort) für Torah, Nevi'im und Ketuvim - TaNaKh.

1. Torah

Bereshit - „Am Anfang“ (1.Mose)
Shemot - „Namen" (2.Mose)
Vayikra - „Und Er rief" (3.Mose)
Bamidbar - „In der Wüste" (4.Mose)
Devarim - „Worte" (5.Mose)

Die Namen der fünf Bücher des Gesetzes entspringen dem Kontext aus den Anfangsversen des jeweiligen Buches. Das Niederschreiben dieser 5 Bücher wird Moses zugesprochen (Zeitraum 1450 - 1410 B.C.). Moses starb vermutlich in 1406 B.C.

2. Propheten

Das Buch der Propheten teilt sich in Frühere und Spätere Propheten auf. Der erste Teil dieser Propheten beinhaltet vier Bücher: Yeshoshua (Joshua), Shoftim (Das Buch der Richter), Shmuel Alef & bet (1.-2. Samuel) und Malakhim Alef-Bet (1.-2. Könige).

Frühere Propheten (Nevi'im Rishonim)

I. Yehoshua (Joshua) beschreibt den Einzug des Volkes Israels in das Verheißene Land, die erfolgreichen Siegeszüge, sowie die Aufteilung des Landes innerhalb der Zwölf Stämme. Die Führung des Volkes wurde im 5.Buch Mose dem Joshua übertragen. Unter seiner Leitung nahm Israel das Land ein (1400 - 1370 B.C.).

II. Richter beschreibt die Zeit in der Israel lange ohne Königsherrschaft, und unter verschiedenen Richtern, lebte (1380 - 1050 B.C.).

III. 1.-2. Samuel hat den Namen einer der letzen Richter Israels. Diese Bücher berichten über die ersten Könige Israels: 1.Samuel berichtet über König Saul und im 2. Samuel beginnt Davids Regenschaft.

IV. 1.-2. Könige stellt die weitere Regentschaft des Sohnes Davids, Salomo, vor und beschreibt wie Israel in das Nord- und Südreich aufgeteilt wurde.

Spätere Propheten (Nevi'im Acharonim)

Der zweite Teil der Späteren Propheten (Nevi'm Acharonim) beinhaltet ebenfalls 4 Bücher. Diese sind die des Propheten:

I. Yeshayahu (Jesaja)
II. Yirmeyahu (Jeremia)
II. Yechezk'el (Hesekiel)

Das vierte Buch beinhaltet die Schriften der

IV. 12 Propheten „Shneim-Asar" - Hoshea (Hosea), Yo'el (Joel), Amos (Amos), Ovadyah (Obadja), Yonah (Jona), Mikhah (Micha), Nachum (Nahum), Havakuk (Habakuk), Tz'fanyah (Zephanja), Hagai (Hagai), Z'kharayah (Sacharja), Mal'akhi (Maleachi).

Diese Propheten wurden von Gott erweckt, um das Volk Israel zu ermahnen und ihm deren Sünden vorzuhalten, damit sie zu Gott zurückkehren. Oft wurde auch das Schicksal des Volkes vorausgesagt, wenn es sich weigern würde Buße zu tun.

3. Schriften

Diese Bücher umfassen Schriften, welche Gottes Volk zu Weisheit und Ermunterung aufrufen, Poesie und geistige Wahrheiten erteilen, sowie auch die Ermahnung, Gottes Wege (durch z.B. tiefgehende Predigten) zu bewahren. Dies sind die Bücher der

Psalmen (Tehillim), Sprüche (Mishlei), Iyov (Hiob),

Shir HaShirim (Lieder Salomo), Rut (Rut), Eikhah (Klagelieder), Kohelet (Prediger), Ester (Esther),

Dani'el (Daniel), Ezra-Nehemia (Ezra & Nehemia), Divrei ha-Yamim (1-2 Chronik), welches die Eroberung Jerusalems durch Babylon im Jahr 586 B.C. dokumentiert und das letzte Buch des Hebräsichen Tanakhs bildet. Diese Anordnung und Zusammenfassung der Bücher ist die, welche Yeshua zu Seiner Zeit auf Erden kannte und aus welcher Er zitierte (Lukas 24:27,44).

Die Hebräischen Schriften wurden hauptsächlich auf Hebräisch geschrieben. Geringe Teile, wie z.B. Ausschnitte aus Daniel 2-7, wurden scheinbar auf Aramäisch verfasst. Es ist schwer zu bestimmen, zu wann die Hebräischen Schriften als Kanon festgelegt wurden. Aussagen rangieren von 140 B.C. bis zu 200 A.D. Für gewöhnlich wurden die Bücher der Schriften per Handschrift in Rollen kopiert. Durch eine präzise und akribische Systematik, wachten die "Soferim" (Schriftgelehrten) über die Genauigkeit dieser Kopien. Der Priester Ezra war z.B. ein solcher Sofer.

Biblischer Kanon

Die Zusammenführung mehrerer Bücher der Bibel, die dann von einer Glaubensgemeinschaft als maßgeblich geachtet wird, bezeichnet sich als ein " biblischer Kanon". Das Wort Kanon stammt aus dem Griechischen κανών und bedeutet "Messlatte". In dem Kanon der Bibel glauben wir an den Maßstab, den Gott für uns gegeben hat. Ein Kanon der Bibel gilt also als die Zusammensetzung der göttlich inspirierten Schriften, welche in einem Buch bereit gehalten werden. Gläubige, welche die Bibel für autoritativ halten, sind im allgemeinen auch der Auffassung, dass der biblische Kanon "geschlossen" ist. Weitere Schriften, um diese dem Kanon beizufügen, werden somit nicht weiter betrachtet, analysiert, erforscht oder debattiert. Dieses rührt aus der Überzeugung heraus, dass Gottes Offenbarungen und Prophetien an die Menschheit abgeschlossen sind und keine weiteren Bücher somit noch zugelassen werden.

Die Prozesse, die zu der Kanonisierung der Bibel führten, geschahen über einen längeren Zeitraum. Möglicherweise galt die Torah so früh wie im Jahre 500 B.C., bereits als ein Kanon in Israel. Die Propheten wurden dann in ca. 200 B.C. kanonisiert und die Schriften wurden zufolge um das Jahr 100 A.D. zusammengestellt.

Manuskript

Manuskript bedeutet "von Hand geschrieben" ("manu" und "skript"). Wenn jemand eine Kopie von Gottes Wort haben wollte, musste diese Kopie von Hand abgeschrieben werden. Das Abschreiben wurde für gewöhnlich von der Berufssparte der Schriftgelehrten (Soferim) ausgeführt. Synagogen hatten für das öffentliche Lesen üblicherweise eine vollständige Torah-Rolle; unwahrscheinlicher aber alle Bücher der Propheten oder Schriften.

II. Bedeutende Manuskripte
Masoretischer Text

Eine Gruppe von jüdischen Männern, heute bekannt als „die Masoreten", vervielfältigten und verteilten zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert Kopien des „Masoretischen Textes". Diese Gruppe war maßgeblich daran beteiligt, ein System der Vokalisierung für den hebräischen Text zu entwickeln und auszuarbeiten. Zuvor wurde das biblische Hebräisch ohne Vokale geschrieben. (Traditionelle Synagogen besitzen bis zum heutigen Tag weiterhin Schriftrollen, die nicht punktiert sind). Diese Gruppe der Masoreten arbeitete mit hoher Disziplin an einer solchen Vokalisierung für den gesamten Tanakh, so dass die Aussprache der Worte beim Lesen bekannt werden konnte. Die original handgeschriebenen Rollen des Tanakhs dienten zur Grundlage dieser Ausarbeitung und mit diesen bauten die Masoreten die vokalisierte Version aus. Dieses ist heute als der Masoretische Text (MT) bekannt.

Im Laufe der Jahrhunderte schien es so, als ob es nicht die oft behauptete Einheit in den hebräischen Manuskripten gäbe. Funde der Schriftrollen vom Toten Meer in Qumran, die aus den Jahren 150 - 75 A.D. datiert wurden, ergaben dabei, dass diese dem Masoretischen Text näher waren, als irgend welche anderen überlebenden Exemplare.

Aleppo Codex

Aaron ben Moses ben Asher war ein solcher Masoret, der im 10. Jahrhundert in Tiberias lebte. Ben Asher schrieb einen Codex, heute bekannt als der Aleppo Codex, und dieser entwickelte sich im Laufe der Zeit, als der anerkannte Text der Bibel. Der Aleppo Codex hat aber nur schwer überlebt und vermisst heute den Abschnitt der Torah.

Der Masoretische Text liefert die Grundlage der Übersetzung für die meisten protestantischen, christlichen Bibeln der heutigen Zeit. Im rabbinischen Judentum sind die vier-und-zwanzig Bücher des Masoretischen Texts anerkannt. Diese bilden die Hebräische Bibel (Tanakh).

Septuaginta

Die Septuaginta oder LXX (römische Zahl "70") ist eine Übersetzung der Hebräischen Schrift ins Koine-Griechisch (Griechische Gemeinsprache). Breiter gefächert versteht man die Septuaginta als die "Griechische Bibel". Der Tradition zufolge saßen siebzig gelehrte, jüdische Männer, von Ptolemäer II gezwungen, an der Ausarbeitung dieser Übersetzung. Diese Behauptung wird heute jedoch disputiert. Die Datierung der Übersetzung auf 300 B.C., wird allerdings von vielen Gelehrten akzeptiert und bestätigt. Die Fertigstellung der Übersetzung geschah im Jahre 132 B.C. Die Zahl 70 deutet somit auf die Zahl der Übersetzer und nicht auf die beinhalteten Bücher. Während die Griechische Sprache mehr zur Gemeinsprache wurde, erweiterte sich auch der Kanon der Griechischen Bibel. Zusätzlich zu den jüdisch anerkannten und geschlossenen Schriften des MT, gab es später auch weitere Bücher, welche in der LXX zu finden waren, wie z.B. das 1.-2. Buch der Makkabäer.

Zwischen den Jahren 2-8 A.D. erfolgte der Beschluss des klassischen Rabbinats, die Septuaginta nicht weiter als einen gültigen jüdisch-biblischen Text anzusehen. Angeblich wurde diese Bestimmung im Konzil von Yavne (bekannt auch als das Konzil von Jamnia) festgelegt. Ein Grund hierfür war z.B., dass der hebräische Quelltext, welcher für die LXX genutzt wurde, angeblich von dem Masoretischen Text abwich.

Die finale Form des Kanons der Septuaginta beinhaltete mindestens 10 weitere Bücher des 1.Testaments, welche in der Hebräischen Bibel nicht aufgenommen wurden waren. Je nach christlicher oder religiöser Ausrichtung, variierte die Akzeptanz der vollständigen LXX als inspirierter Kanon.

Da die Septuaginta lange die einzige griechische Bibel war, war das Stützen auf diese Bibel für viele Gläubige des 2. Jahrhunderts ,welche kein Hebräisch konnten, essentiell. Der Historiker Josephus, der ein ausgebildeter Levit war und später ein Historiker für Rom wurde, erachtete die Septuaginta auf der gleichen autoritativen Stufe wie den Masoretischen Text.

* Ein Gedanke hierzu: Der Masoretische Text, sowie die Septuaginta, beanspruchen, aus dem unpunktierten, hebräischen Quelltext zu stammen. Der Unterschied jedoch ist, dass der MT die gleiche Sprache des Quelltextes hat; lediglich die Punktierungen, um die Aussprache zu unterstützen, wurden zugefügt. Die Septuaginta bedient sich auch dem Hebräischen, bleibt aber eine Übersetzung in eine andere Sprache und gilt daher nicht als der Originaltext, wie z.B. direkt von Moses oder einer der Propheten geschrieben. Ohne fachliche Expertise der Genauigkeit der LXX, müsste je nach vorhandener Kompetenz in der Sprachkenntnis, der Masoretische Text doch hinzugezogen und bevorzugt werden, wenn eine Übersetzungsarbeit der Bibel in Frage käme.

III. Neues Testament und Kanonisierung

Die Bücher des Neuen Testaments werden alle aus Griechischen Manuskripten übersetzt. Es gibt über fünftausend griechische Manuskripte, von denen gewählt werden kann; mehr als für jedes andere Werk auf Erden!

Nach dem Tod und der Auferstehung des Messias Yeshua, kreisten innerhalb den Gemeinschaften der Gläubigen, Briefe und Schriften der Apostel. Dies war die Zeit um 50 - 150 A.D. herum. Zu diesem Zeitpunkt, wurden die Bücher des Kanons der Hebräischen Bibel in der Messianischen Gemeinde (an Yeshua gläubig) akzeptiert und als göttlich inspiriert befunden. Die 27 Bücher des Neuen Testamentes, wurden dagegen aber noch nicht in einem Buch zusammengefasst. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass einige der Bücher des Neuen Testaments ursprünglich im Hebräischen verfasst wurden. Bei den Evangelien, der Apostelgeschichte und der Offenbarung, gehen einige Gelehrte von einem hebräischen Quelltext aus. Die Briefe von Paulus wurden auf Griechisch verfasst - nicht zu vergessen bleibt dabei, dass der Apostel ein Hebräer war und in der jüdischen Art und Weise lebte, in dieser unterrichtet wurde und in dieser auch noch oft lehrte.

Der erste Gedanke, die Bücher des Neuen Testaments in Eins zusammenzutun, wird einem Bischof aus Kleinasien, welcher Marcion hieß, beigemessen. Dieser Mann wurde als Häretiker bezeichnet, und er sah die Person des Gottes des Alten Testamentes als barbarisch und unmenschlich an. Marcions Auffassung nach, täte das Wesen jenes Gottes dem geistigen und moralischen Anspruch des Neuen Testaments, nicht zur Genüge. Marcion verwarf die Lehre der Hebräischen Schriften und verfasste einen eigenen Kanon des Neuen Testaments, welcher lediglich die Briefe Paulus und das Lukas Evangelium ausmachte. Marcions Kanon lautete "Das Evangelium des Herrn" und sollte die Liebe zum Ausdruck bringen, welche Jesus nun allen Menschen, offenbarte. In seiner Theologie war der Gott Israels ein völlig anderer Gott als der, welcher den Messias Jesus sandte. Die frühere Gemeinde lehnte Marcions Kanon, sowie andere Schriften von ihm, entschieden als ketzerisch ab. Seine Lehre und Überzeugung fand jedoch bei vielen Anklang und seine Theologie wuchs und verbreitete sich. Da Marcion die Hebräischen Schriften für "alt" hieß, trennte er die Schriften unter die Begriffe "Altes" und "Neues" Testament.

Bücher des „Neuen Testament"

Im Neuen Testament befinden sich 27 Bücher mit folgernder Chronik:

I. Die Evangelien
Matthäus, Markus, Lukas, Johannes

II. Die Apostelgeschichte
Das Wirken der Apostel nach der Auferstehung des Messias Yeshua

III. Briefe der Apostel
Einundzwanzig Briefe der Apostel

IV. Das Buch der Offenbarung

IV. Manuskripte und Quellen für das Neue Testament

Wie schon kurz erwähnt, gibt es heute für das Neue Testament allein in der Griechischen Sprache über 5000 Manuskripte und mehr als 9000 in der Lateinischen. Eine höhere Genauigkeit für eine heutige Übersetzung des Neuen Testaments ist prinzipielle aus griechischen Manuskripten zu erlangen, da Latein jünger als Griechisch ist. Je näher an der Quelle, desto besser. Aber wo anfangen? Originale Kopien der Briefe oder Evangelien sind heute im Hebräischen nicht bekannt. Paulus verfasste einige seiner Briefe in Griechisch und die originalen Schriften der Apostel sind nicht mehr vorhanden. Direkte Kopien von deren Briefen und Berichten, dazu von Hand geschrieben, würden heute natürlich als die besten Manuskripte dienen! Keine Manuskripte der heutigen Zeit können jedoch diesem Anspruch stand halten. Das Zurückverfolgen der heutigen Manuskripten, durch kritische Textanalyse und andere Methoden, ist selbst heute noch eine Herausforderung, für die besten Gelehrten und Forscher. Trotz all dem bleibt das Neue Testament das faszinierendste, schriftliche Werk aus dem 1. Jahrhundert.

Für die Authentizität der Berichte wären Beweise notwendig, dass diese während oder kurz nach dem Wirken des Messias und Seiner Apostel vervollständigt wurden. Somit wäre nachzuweisen, dass dessen Berichterstattungen keine einseitigen Dokumente sind und, dass diese Schriften, auch beispielsweise zu Lebzeiten von Kontrahenten, existierten. Solche Kritiker hätten die rechtzeitige Möglichkeit gehabt, den Wahrheitsgehalt des Werks zu prüfen, diesem zu hinterfragen und möglicherweise auch zu widerstehen. Werke, welche den Wahrheitsgehalt des Neuen Testaments in Frage stellen, sind aus der Zeit jedoch nicht bekannt. Hingegen sind die Manuskripte des Neuen Testaments vielfältiger, als bekannte literarische Werke wie von Homer oder Aristoteles. Die Authentizität des Inhaltes des Neuen Testamentes ist daher unumstößlich.

Das Zuordnen und Katalogisieren der Manuskripte ist ein aufwendiges und kompliziertes Unterfangen, welchem sich die am besten ausgebildeten Gelehrten, der letzen Jahrhunderte, gewidmet haben. Obwohl die Fertigstellung der Bücher des Neuen Testaments im ersten Jahrhundert abgeschlossen war (das Buch der Offenbarung datiert z.B. auf 90 A.D.), sind Autografe, der Bücher des Neuen Testaments längst nicht mehr existent. Jahrhunderte später, wurden lediglich Kopien von anderen Kopien angefertigt und nicht von den Autografen selbst. Das heute noch vorhandene, älteste Manuskript, ist ein Papyrus-Fragment vom Johannes Evangelium, aus dem 2. Jahrhundert; etwa so groß wie eine Streichholzschachtel. Ein solches Exemplar nennt sich, ein Papyri und dieser Schnipsel ist das älteste uns bekannte existierende Papyri, welches als das John Rylands Papyrus P52 bekannt ist.

Einen kurzen und alternativen Rückblick in die Geschichte der Manuskripte, liefern noch manche Historiker. Vermutlich wurden griechische Exemplare vom Wort Gottes in verschieden Schriftrollen, kurz nach 100 A.D. und noch vor dessen Kanonisierung, in Antiochien aufbewahrt. Verweise auf Antiochien finden wir in der Apostelgeschichte. Hier sollen sich eine Zeit lang treue Gläubige und deren Gemeinschaften versammelt haben. Interesse an diesen Schriften wurde aber auch bei griechischen Philosophen aus Alexandrien in Ägypten geweckt. Diese besorgten sich ebenfalls Kopien und umschrieben Teile der Schriftrollen, so dass diese editierten Versionen manchmal die Grundlage für einige, spätere Manuskripte bildeten. Eine prominente Herausgabe aus dieser Strömung soll dem zufolge, die Origen-Eusebius Version sein. Diese Edition war in Griechisch verfasst und soll demnach in den verschiedenen Strömungen später wieder auftauchen, so dass einige Übersetzungen der heutigen Bibeln, nachvollziehbarerweise, aus solchen Manuskripten stammen.

Bisher haben wir einige Daten zusammenfassen können. Sucht man nun eine Übersetzung des Tanakhs in der eigenen Sprache wie z.B. Deutsch oder Armenisch, ist es nicht schwer nachzuvollziehen, weswegen eine Umsetzung aus dem Masoretischen Text eine gute Wahl wäre. Aber welche Quelle soll mam benutzen, wenn es um die Bücher des Neuen Testaments geht?

Vom Griechischen ins Lateinische

Im Jahre 1456 wurde die Latein Vulgata" (bed.: Bibel auf Latein in der gemeinen Sprache), auch als die Gutenberg Bibel bekannt, gedruckt. Zu dieser Zeit studierten Gelehrte die Bibel mehr in der lateinischen Sprache als in der Griechischen. Die gemeine Sprache hatte sich nämlich im Westen von Griechisch auf Latein geändert. Die Latein Vulgata ist dabei nicht mit einer anderen lateinischen Version, der „Vetus Latina" (bed. Altlatein), zu verwechseln. Es wird vermutet, dass diese altlateinische Bibel wiederrum von einer Gruppe Gläubiger, welche in den Bergen lebten und als die Vaudoise bekannt waren, bereits im Jahre 157 A.D., aus dem Griechischen Urtext, übersetzt wurde. Die lateinische Bibel welche jedoch mehr Verbreitung erfuhr, war Jeromes lateinische Version, die Latein Vulgata aus dem Jahre 430 A.D. Welche Manuskripte nutze Jerome?

Als die griechische Sprache im Westen später wiederentdeckt wurde, verglichen Gelehrte die Latein Vulgata mit dem Griechischen Urtext und stellten schwerwiegende Fehler, sowie manche Fehlübersetzungen, fest. Manche Autoren behaupten, Jeromes Überlieferung stammte aus einem griechischen Text, welcher aus der Schule der Philosophen aus Alexandrien in Ägypten hergeleitet wurde, und entsprechend mit Philosophien und Weltanschauungen korrumpiert wurde (hiermit meint man die Origen-Eusebius Versionen). Diese Tatsache wurde bisher nicht ausreichend erforscht; es könnte aber eine Erklärung zu den festgestellten Mängeln an der faktischen Übersetzung der Latein Vulgata, liefern.

Textus Receptus

Der Textus Receptus ist ein gedruckter Text (nicht also von Hand geschrieben und somit kein Manuskript) welcher im 15. Jahrhundert produziert wurde. Die wachsende Notwendigkeit eines uniformen Exemplars kam auf, als sich das Wort Gottes verbreitete und zunehmend in mehreren Sprachen übersetzt wurde. Irrtümer und Fehlinterpretationen ließen sich bei der hohen Anzahl an herum kreisenden Kopien im Einzelnen, nicht länger vollständig überwachen.

Was als der Textus Receptus bekannt wurde, ist die Auflage eines holländischen Theologen des 16. Jahrhunderts, namens Desiderius Erasmus (1466 - 1536 A.D.). Um scheinbar einem neuen Druck der Auflage eines Neuen Testaments in Spanien zuvorzukommen, arbeitete Erasmus mit Hochdruck an einer ebenfalls griechischen Version. Hierzu sammelte er die ihm zur Verfügung stehenden Manuskripte. Kritiker des Textus Receptus behaupten, dass diese von Erasmus genutzten Manuskripte maximal sechs in der Anzahl waren und dabei noch relativ junge Manuskripte aus dem 12. Jahrhundert waren. Diese übersetze er dabei selber kaum direkt, so die Kritik, sondern versah Erasmus mehr einige von ihnen mit Notizen. Für einige Passagen fehlte ihm, den Berichten zufolge, der Urtext auf Griechisch, so dass er gewisse Verse aus der Offenbarung direkt aus der Latein Vulgata, ins Griechische zurück übersetzte. Das Werk wurde den Druckern zugesandt und im Jahre 1516 abgedruckt.

Trotz aller Kritik, erlebte das Werk eine hohe Akzeptanz und wurde weit verbreitet. Obwohl das Werk auch wegen typographischen Fehlern Kritik erntete, wurde es zu einem Bestseller. In den Jahren 1519, 1527 und 1535 wurde es angeblich mit Korrekturen neu auferlegt. Das Werk wurde weiter geführt und im Jahre 1633, durch das Vorwort eines Verlegers, als "der Textus Receptus" - der Überlieferte Text - bekannt. Wie ging es weiter?

Codices

Kurz hatten wir über die Altlateinische Bibel (Vetus Latina) berichtet, welche vermutlich von den Vaudoise in 157 A.D. übersetzt wurde und somit älter, als die Lateinische Bibel (Latein Vulgata) ist, welche von Jerome in 430 A.D. übersetzt wurde. Welche Griechischen-Manuskripte die Vaudoise nutzten und welche von Jerome verwendet wurden, sowie weswegen es denn überhaupt zwei Bibeln auf Lateinisch gab, sind weitere Fragen die für uns interessant sein sollten. Diese Details würden jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen. Welche Frage wir dennoch zu klären suchen ist: welche anerkannten Manuskripte existier(t)en denn überhaupt?

Verschiedene Verfahren wurden eingesetzt, um ein Manuskript zu datieren. Wir erinnern uns an die grundsätzliche Tendenz, dass eine höhere Genauigkeit und Zuverlässigkeit von einem älteren Exemplar vorausgesetzt werden konnte. So waren Schriftgröße und Art der Schriften, der Schreibstil, Art des Pergaments, Fundort und viele andere solche Faktoren entscheidend dafür, um das Alter eines Manuskripts zu bestimmen. Die heute bekanntesten und noch vorhandenen Manuskripte sind Codices, welche aus dem 4. Jahrhundert stammen :

• Codex Sinaiticus (ca. 350 A.D.)
• Codex Vaticanus (vor 400 A.D.)
• Codex Alexandrinus (ca. 450 A.D.)
• Codex Ephraemi

Ein Codex bedeutet auf Latein "Baumstamm". Dies bezeichnet die Form, in welcher die Schriften verfasst und gelesen wurden. Zuvor gab es die durchgängige Schriftrolle, in welcher Texte niedergeschrieben wurden. Ein Codex hat die Form eines Buches, glich einer Holzschachtel und war mit einer bestimmten Anzahl von Blättern, oder Pergamenten, versehen. Diese Form wurde durch die Römer entwickelt. Sagt man z.B. "Buch" zu einer Schriftrolle, dann war nicht, die uns heute bekannte Form des gebundenen Buches gemeint. Ein Codex ist dabei der Vorreiter des heutigen Buches und dieser löste schlussendlich die Schriftrolle ab. Codizes (Mehrzahl für Codex) sind sehr alte Manuskripte, die heute noch erhalten sind. Bei dem Punkt dass "alt nicht immer besser sein muss", gehen bei einigen die Meinungen auseinander. Die Meinung, dass diese o.g. vier Codizes aus den griechischen Manuskripten der Philosophen Schulen in Alexandrien stammten, war unter vielen Reformanten unumstößlich. So wird über die Mitwirkung von Konstantin bei dem einen Codex, heute als der "Sinaiticus" bekannt, spekuliert. Konstantin beauftragte angeblich den Eusebius (seinen Diener), 50 Bibeln zu übersetzen und Eusebius griff dafür wiederrum zu Manuskripten und Kommentaren, welche von Origen in Alexandrien editiert wurden.

Textkritik

Manuskripte waren, bis vor der Erfindung des Druckes, die Quellen für Vervielfältigungen. Mit dem Druck des Neuen Testaments auf Griechisch, erlangte Erasmus Werk lange Jahre den anerkannten Standard eines uniformen Textes. Dieser wurde als der Textus Receptus bekannt und liegt den o.g. Codizes nicht zu Grunde. Der Textus Receptus war von 1516 an, als das Novum Testamentum Graece (Neue Testament auf Griechisch), bekannt. Heute ist ein anderes Werk unter diesem Titel bekannt. Im Jahre 1881 druckten zwei Professoren namens Brooke Westcott und Fenton Hort ihr eigenes Neues Testaments auf Griechisch. Hierfür lehnten sie den Textus Receptus ab, weil sie diesen für minderwertig und fehlerhaft fanden. Ihr neuer griechischer Text, den sie verfassten, hatte insbesonder zwei Manuskripte aus dem 4. Jahrhundert im Blickpunkt: die Codizes Vaticanus und Sinaiticus. Ihr Werk wurde als "Textkritik des Neuen Testaments" bekannt. Die Methode der Textkritik entwickelte sich in eine Systematik, in welcher ein laufendes Editieren und Bearbeiten üblich ist. Der Schwerpunkt dieser Methode liegt darin, dass möglichst genaueste Manuskript aus einer Vielzahl von Vorhandenen, zu eruieren. Weitere Punkte die bei dieser Textkritik beachtet werden, sind wie folgt:

Vergleich, in wie vielen Manuskripten eine Passage vorkommt?
• An welchen Orten wurden die besagten Manuskripte gefunden?
Welche Daten haben die Manuskripte?

Bei diesem Verfahren ist es das Ziel, kein einzelnes Manuskript besonders hervorzuheben. Das Endergebnis mag von dem einen oder anderen Manuskript, in dem Prozess, sogar mal abweichen. Zum Beispiel kann über die Intention eines Verses nachgedacht werden, um diesen mit anderen Versen aus anderen Manuskripten zu vergleichen, um dann zu beobachten, ob es Differenzen gibt. Kommt der allgemeine Sinn aus den Vergleichen für die Textkritiker nicht heraus, kann darüber entschieden werden, dass der Vers im neuen Werk nicht erscheint. Diese Methode wurde von Eberhard Nestle aufgegriffen, welcher im Jahre 1898 eine erste Ausgabe, zusammen mit Lektüren von Westcott und Hort, veröffentlichte. Nestles Sohn Erwin führte diese Ausgaben zusammen mit einem Mitarbeiter namens Kurt Aland fort; und die Textkritikmethode wurde ausgeweitet. Augenblicklich befindet sich die Auflage dieses Werks bei Nummer 27; einfach und kurz NA27 (Nestle-Aland, 27. Auflage) genannt. Dieser Text, derzeit auch als UBS4 bekannt (da dieser auch von der United Bible Society in deren 4. Auflage publiziert wurde), bildet die Basis für viele Bibelübersetzungen heute. Die UBS4 und der NA27 Text beinhalten im Prinzip den gleichen griechischen Text, nur haben diese zwei Version einige Unterschiede in den Absätzen, Großschreibungen, Buchstabierungen. Die NA27 und UBS4 zielen Übersetzer und Bibel-Forscher unterschiedlich an.

Mehrheitstext

Eine weitere Grundlage die es heute gibt, um die Bibel aus dem Griechischen zu übersetzen, ist den Mehrheitstext zu nutzen. Der Mehrheitstext umfasst mehrere Codizes des Byzantinischen Typus. Als es zu römischen Zeiten zu Trennungen unter Gläubigen kam, zerstreuten sich Gläubige über Europa. Die Volkssprache änderte sich im Laufe der Zeit im Westen Europas von Griechisch ins Latein, während der Osten weiterhin für knapp 1000 Jahre Koine-Griechisch beibehielt. Entsprechend gab es aus diesen Regionen auch weiterhin Manuskripte der Bibel in Griechisch und diesen wird eine höhere Genauigkeit der Überlieferung nachgesagt. Überlebende Codizes aus den osteuropäischen Regionen, werden als die Byzantinischen Codizes bezeichnet und bilden den Korpus des Mehrheitstextes.

Die Vorgehensweise des Mehrheitstexts ereignet sich wie folgt: Manuskripte des Byzantinischen-Texttyps werden bereitgehalten und es wird die Übersetzung einer Passage oder Texts gewählt, welche in den griechischen Manuskripten am häufigsten vorkommt. Um dies zu veranschaulichen: wenn der Satz "er geht raus" in 487 Manuskripten stehen würde und 142 Manuskripte würden aber es an der selben Textstelle "sie gingen heraus" aufweisen, wird der Vers mit "er geht raus" übersetzt, da der Satz in der Mehrheit der Manuskripte überwiegt. Mit dieser Methodik der Übersetzung gibt es jedoch auch Schwierigkeiten. Zum einen wird die Datierung der Manuskripte des Mehrheitstextes, die überwiegen, nicht berücksichtigt, zum anderen auch nicht aus welcher Region sie stammen. Entscheidend bleibt, worin die Mehrheit übereinstimmt.

* Codizes werden generell Kategorien zugeordnet. So haben wir zumindest fünf bekannte Hauptkategorien von Codizes, welche deren Typen zugeschrieben sind. Alexandrien-Typs Byzantinischen-Typs und Westlichen-Typs sind bekannte Kategorien aus diesen Zuordnungen. Für den Textus Receptus soll Erasmus bis zu sechs Manuskripte aus den Byzantinischen-Typs genutzt haben, mit Ergänzungen aus der Latein Vulgata von Jerome. Einige Reformanten bestreiten dies und argumentieren, dass die Altlateinische Bibel der Vaudoise, die Vetus Latina, ein Hilfswerk für Erasmus war.

Schlusswort

Das Thema der Manuskripte ist ein spannendes und intensives Thema mit vielen Verzweigungen, die jahrelanges Studium beansprucht. Dieser Artikel beansprucht kein wissenschaftliches Werk darzustellen, er soll ein Verständnis der Herkunft unserer heutigen Bibel liefern. Hoffentlich hat diese kurze Zusammenfassung ein Werkzeug geboten, um eine Übersicht zu erleichtern. Das Wort Gottes in höchster Genauigkeit zu studieren, ist der Anspruch eines jeden Gläubigen. Persönliche Präferenz des Autors einer Übersetzung ist die eines Masoretischen Textes für den Tanakh, und die eines Textus Receptus für das Neue Testament.